Arbeitsstress macht Frauen anfälliger für Diabetes

Stress ist riskant für Frauen

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Rund die Hälfte der Deutschen klagt über zu viel Stress - das bleibt nicht ohne Folgen. Stressbedingte Gesundheitsprobleme wie Kopfschmerzen haben zugenommen. Besonders Frauen sollten sich in Acht nehmen, so eine schwedische Studie. Denn bei ihnen lässt Stress das Risiko für Diabetes Typ 2 ansteigen. Bei den Männern entdeckten die Forscher dagegen einen positiven Effekt. Erfahren Sie in der Klickstrecke, wie Sie Diabetes vorbeugen können.

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Insbesondere die Auswirkungen von Arbeitsstress interessierten die Forscherin Karin Eriksson und ihr Team vom Karolinska-Institut. Sie beobachteten 3205 Frauen und 2227 Männer zwischen 35 und 56 Jahren über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren. Zu Beginn der Studie litt keiner der Probanden an Diabetes. Die Forscher befragten sie regelmäßig zu ihrer Arbeitssituation. Im Fokus standen Arbeitsbelastung, Stundenzahl oder Entscheidungskompetenz. Im Studienzeitraum erkrankten 60 Frauen und 111 Männer an Typ-2-Diabetes. Als Eriksson die Erkrankungsfälle mit den Angaben zur Arbeitsbelastung abglich, entdeckte sie Erstaunliches.

Bei Männern sinkt Risiko sogar

Bei beiden Geschlechtern führten ganz unterschiedliche Faktoren zu einer Erhöhung des Risikos. Bei Frauen verdoppelten geringe Entscheidungsspielräume im Beruf die Wahrscheinlichkeit für Diabetes. Kam noch eine hohe Arbeitsbelastung dazu, vervierfachte sich das Risiko sogar. Auch Schichtarbeit schien dem weiblichen Blutzuckerspiegel nicht gut zu tun. Bei Männern war eher das Gegenteil der Fall - wenn an sie hohe Ansprüche im Job gestellt wurden, sank ihre Wahrscheinlichkeit an Diabetes zu erkranken. Keine Antwort hatten die Forscher auf die Frage, warum trotzdem mehr Männer als Frauen im Studienzeitraum erkrankten.

Sozial schlechter gestellte Frauen haben öfter Diabetes

Frauen hatten aber nicht nur durch vermehrten Arbeitsstress mehr Probleme mit dem Blutzucker. Auch der soziale Status und Bildungsstand wirkte sich bei ihnen stärker aus. Das ergaben epidemiologische Studien. Ein Grund sei, dass bei ihnen im Zusammenhang mit diesen sozialen Faktoren mehr Speck auf den Hüften zu finden sei, vermuten die Forscher. Und Übergewicht ist  einer der gefährlichsten Risikofaktoren für die Entwicklung der Zuckerkrankheit. Ist Frau erst einmal krank, leidet sie anscheinend auch stärker unter dem Diabetes als das andere Geschlecht. "Diabetikerinnen haben doppelt so häufig Depressionen und auch häufiger Essstörungen", die Diabetesexpertin Prof. Alexandra  Kautzky-Willer  von der Universität Wien.

Mehr Frauen als Männer leiden an Diabetes

Diabetes ist eine Volkskrankheit. In Deutschland leben laut Expertenschätzungen rund sechs Millionen Diabetiker. Vermutlich ist aber die Zahl aufgrund der Dunkelziffer deutlich höher. Rund 90 Prozent leiden an Diabetes-Typ-2. Die Betroffenen können Zucker nicht mehr richtig verwerten und  der Blutzuckerspiegel steigt stark an. Das schädigt auf Dauer die Gefäße, es können erhebliche Folgeschäden entstehen. Grundsätzlich leiden mehr Frauen als Männer unter der Zuckerkrankheit. 2009 wurden bei rund neun Prozent der Damen Diabetes festgestellt. Zum Vergleich: Bei Männern sind es acht Prozent.

Stand: 03.02.2016
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Quellen:

  •  A.K. Eriksson et al.: Work Stress, Sense of Coherence, and Risk of Type 2 Diabetes in a Prospective Study of Middle-Aged Swedish Men and Women; Diabetes Care (2013); doi: 10.2337/dc12-1738
  • Pressemitteilung Deutsche Diabetes Gesellschaft: Diabetes geschlechtsspezifisch behandeln: Frauen aus niedriger Sozial- und Bildungsschicht haben höheres Erkrankungsrisiko; (Abruf 21.05.2103)
  • Robert Koch-Institut: „Diabetes mellitus in Deutschland“. GBE kompakt 3/2011 (Abruf: 21.05.2012)