Boreout - wenn Langweile krank macht

Langweile kann krank machen - Fünf Tipps vom Psychologen für eine ausgeglichene Life-Balance

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Burnout kennt mittlerweile jeder. Aber nicht nur Stress und Überarbeitung können krank machen, sondern auch Frustration und Langeweile. Experten sprechen dann vom sogenanntem „Boreout“-Syndrom (englisch to bore: langweilen). Denn permanente Unterforderung ist Gift für die Psyche. Der Psychologe Benjamin Martens erklärt das Phänomen und gibt fünf Tipps für Ihre persönliche Work-Life-Balance.

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Langweile am Arbeitsplatz - das ist verbreiteter, als man denkt. Laut einem Bericht der Bundesregierung klagen knapp zwei Drittel der jungen Arbeitnehmer darüber. Sie geben an, beruflich eigentlich mehr leisten zu können als von ihnen verlangt wird. Überforderung und Frustration stellen sich ein, weil sie nicht zeigen dürfen, was sie können oder weil ihre Arbeit nur noch langweilige Routine ist. Mit oft weit reichenden Folgen.

Gegenpol des Burnout: Krank durch Unterforderung

Verlust der Lebensfreude, Schlafstörungen, Magenschmerzen und Tinnitus – diese Warnsignale bringen die wenigsten mit ihrer Arbeit in Verbindung. Doch genau diese Anzeichen können das Ende einer Entwicklung anzeigen, bei der vor Dienstschluss angesammelte Gefühle wie Frustration, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit nicht nur das Gemüt, sondern auch den Körper beeinträchtigen. „Ebenso wie eine permanente Überbelastung können uns auch Unterforderung, Langeweile und fehlende Erfolgserlebnisse unter Stress setzen – und mit der Zeit zu gravierenden psychischen Problemen führen“, weiß Martens.

Boreout-Devise: Nur nichts anmerken lassen

„Menschen, die bis zur Erschöpfung arbeiten und daraufhin Burnout-Symptome zeigen, stoßen in unserer Gesellschaft meist auf Verständnis. Verwunderte Blicke erntet hingegen, wer zugibt, sich schlecht zu fühlen, weil man zu wenig zu tun hat“, so der Psychologe. Viele entwickeln Verhaltensstrategien, die ihr Problem verschleiern und sie bei der Arbeit besonders ausgelastet wirken lassen. Martens widerspricht zugleich der Unterstellung, die Betroffenen seien einfach faul oder arbeitsscheu: „Im Gegenteil! Boreout-Kandidaten wollen viel leisten, können es aber nicht. Und sie leiden sehr darunter.“

Das können Sie gegen Boreout tun

Das Eingestehen des Problems ist bereits der erste Schritt zur Lösung. Der zweite sollte Betroffene unbedingt zu ihrem Chef führen. Die Arbeitszeit kann reduziert werden, wenn schlicht zu wenig Arbeit vorliegt. Die so gewonnene Freizeit kann beispielsweise in ein anspruchsvolles Hobby oder ein zweites berufliches Standbein investiert werden.

Unzufrieden mit der Art der Arbeit? Auch hier ist ein Gespräch mit dem Chef nötig! Vielleicht lassen sich ja interessante Projekte finden, bei denen Sie wieder mehr Freude an der Arbeit haben.

Stoßen Sie beim Arbeitgeber auf taube Ohren, sollten Sie einen Wechsel des Arbeitsplatzes in Erwägung ziehen. Können Sie Ihren Job nicht wechseln, sollten Sie zumindest im privaten Umfeld einen Ausgleich schaffen: „Die gesuchte Herausforderung wird nicht immer im Arbeitskontext gefunden. Auch ein anspruchsvolles Hobby wie das Erlernen einer Fremdsprache hilft dabei, die Routine zu durchbrechen. Gelingt es den Betroffenen, ihren alten Trott zu überwinden und Neues auszuprobieren, ist häufig schon viel gewonnen“, sagt Martens.

Stand: 17.06.2015

Quelle:

www.psycheplus.de