Burnout – diese Berufe machen besonders anfällig

Manche sind mehr gefährdet als andere - der Diplom-Psychologe Benjamin Martens verrät Ihnen, welche und was Sie präventiv tun können

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Ist Burnout eine Volkskrankheit? In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Fehltage durch "Ausgebrannt sein" in Deutschland mehr als verzehnfacht. Betroffen sind mitnichten nur Manager. Diplom-Psychologe Benjamin Martens erklärt Ihnen, in welchen Berufen Sie besonders gefährdet sind und wie Sie sich vor einem Burnout schützen können.

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Totale Erschöpfung und reduzierte Leistungsfähigkeit

Ein Burnout kann prinzipiell jeder bekommen. Das Tückische ist, dass die Erkrankung oft schleichend beginnt und in verschiedenen Phasen abläuft. Anfangs glänzen Betroffene noch mit viel Engagement und Energie im Job. Dann fühlen sie sich meist leicht überfordert. Das wiederum führt auf Dauer zu Frustration und Desillusionierung. "Der Betroffene merkt, dass er die eigenen Ziele nicht erreichen kann und für seinen Einsatz einfach nicht genug zurück bekommt", sagt der Diplom-Psycholge Benjamin Martens.

Dann folgen emotionale Reaktionen wie Niedergeschlagenheit, Stimmungsschwankungen oder Aggressionen. Die Leistungsfähigkeit nimmt immer weiter ab. "Diese Spirale kann dann bis hin zum völligen sozialen und emotionalen Rückzug führen", sagt Martens weiter. Auch körperlich wirkt sich der Burnout aus: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, erhöhter Blutdruck oder Übelkeit sind klassische Anzeichen. Diese Symptome führen häufig zu den ersten Krankschreibungen.

Machtlosigkeit macht anfällig für Burnout

Die Wahrscheinlichkeit, an einem Burnout zu erkranken, hängt von verschiedenen Parametern ab. Einer der wichtigsten: der Beruf. "Dabei geht es nicht nur um die Arbeitszeiten, sondern vor allem um die Art der Tätigkeit, und darum, ob der eigene Einsatz entsprechend gewürdigt wird und Früchte trägt", so der Psychologe.

Sehr wichtig sind das Maß an Verantwortung und die Möglichkeit, Kontrolle über seine Tätigkeit zu haben. Wer sich in seiner Arbeit oder dem familiären Umfeld häufig machtlos fühlt, ist meist ein potenzieller Burnout-Anwärter.

Nicht zuletzt hängt die Anfälligkeit für einen Burnout auch mit der individuellen Persönlichkeit zusammen: Menschen mit hoher Leistungsbereitschaft, großem Perfektionismus, Idealismus und extremer Harmoniebedürftigkeit sind besonders gefährdet.

Diese Berufe bergen ein hohes Burnout-Risiko

Burnout gilt weitläufig als typische Managerkrankheit. Dieser Zusammenhang mit den "Großen" der Gesellschaft machte das Thema Burnout populär. Aber das Gegenteil stimmt: Vor allem die "Kleinen" sind betroffen. Die Kombination aus hohem Engagement, vielen Einschränkungen und mangelnder Wertschätzung findet sich vor allem in sozialen Berufen wieder. Gefährdet sind vor allem Berufsgruppen, die in ihrer täglichen Arbeit viel mit anderen Menschen oder extremen Situationen zu tun haben. Dazu gehören unter anderem Krankenpfleger, Ärzte, Kindergärtnerinnen, Lehrer oder Erzieher. „In diesen Berufen ist die Motivation meist hoch, die Bezahlung oft schlecht und die Menschen haben oft das Gefühl, nichts ausrichten zu können", sagt Martens.

Aber auch Polizeibeamte, Sozialarbeiter und Menschen in leitenden Positionen sind statistisch überdurchschnittlich stark betroffen.

So beugen Sie vor

Ist der Burnout erst einmal da, müssen sich Betroffene auf einen langen Genesungsweg einstellen. Hier hilft meist nur eine professionelle Psychotherapie in Verbindung mit Veränderungen im beruflichen oder privaten Umfeld. Verhindern Sie daher besser rechtzeitig, dass ein Burnout überhaupt entsteht. Die wichtigsten Tipps vom Experten:

  1. Nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahr und handeln Sie auch entsprechend.
  1. Lernen Sie, wenn nötig auch mal "nein" zu sagen.
  2. Vernachlässigen Sie nicht Ihre eigenen Interessen, Freunde oder Ihre Familie.
  3. Reduzieren Sie Stress und entwickeln Sie eigene Fähigkeiten, mit Stress umzugehen.
  4. Schaffen Sie einen angemessenen Ausgleich zu beruflicher oder familiärer Belastung.
  5. Versuchen Sie immer, negative Einflüsse in Ihrem Leben aktiv zu verändern.
  6. Ziehen Sie die Konsequenzen und wechseln Sie notfalls den Job, wenn Sie Ihre berufliche Situation nicht anders verbessern können.

Auch erste Arbeitgeber ergreifen jetzt Maßnahmen, um dem Risikofaktor Burnout entgegenzuwirken: Der Automobilhersteller VW beispielsweise leitet nach Feierabend keine E-Mails mehr an die Smartphones seiner Mitarbeiter weiter. Das ist vielleicht der richtige Weg, solche Maßnahmen reichen aber bei Weitem noch nicht aus: Denn so profitieren am ehesten Berufstätige in den höhere Etagen. Die Pflegekraft erhält mit Sicherheit weiterhin Notrufe auf ihr Handy – sie muss sehen, wie sie mit dem entstehenden Stress und Druck alleine zurechtkommt.

Stand: 08.05.2013
Autor: Dipl.-Psych. Kathrin Hoffmann

Quellen:

  • www.psycheplus.de (Abruf 02.05.2013)
  • DAK Gesundheitsreport 2013