Winterdepression - das steckt dahinter

Der Winter macht manchen besonders zu schaffen

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Manche Menschen macht der Winter besonders zu schaffen: Sie rutschen alle Jahre wieder in eine Winterdepression. Sie beginnt im Herbst und zieht sich in die Frühjahrsmonate durch. Mediziner sprechen von einer saisonal abhängige Depression (SAD). Betroffene fühlen sich niedergeschlagen, energie- und antriebslos und fahren schnell aus der Haut.

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Sie schlafen viel, sind insbesondere morgens müde und essen mehr als sonst. Insbesondere haben sie einen Heißhunger auf Süßigkeiten. Dadurch nehmen sie im Winterhalbjahr zu. Auch die Arbeitsleistung sinkt. Bei schweren Verläufen können Betroffene ihren Arbeitsalltag nicht mehr bewältigen.  

Eine mildere Variante ist der sogenannte Winterblues. Die Betroffenen sind nicht wirklich depressiv, aber schlapp und missmutig. Unter Fachleuten wird diese milder verlaufende Form auch subsyndromale SAD (s-SAD) genannt.

Naturgemäß tritt eine Winterdepression in Mittelmeerländern viel seltener auf als im hohen Norden, wo die Nächte im Winter besonders lang sind.

Wie entsteht eine Winterdepression?

Wenn im Winter die Tage kürzer und das Sonnenlicht schwächer werden, trifft weniger natürliches Tageslicht die Netzhaut. Das beeinflusst die Zirbeldrüse im Gehirn, die mit dem Sehnerv gekoppelt ist. Sie schüttet dann verstärkt das Schlafhormon Melatonin aus. In der Folge werden die Menschen müde, energielos und ihre Stimmung sinkt.

Forscher gehen davon aus, dass außerdem der Hirnbotenstoff Serotonin an der Erstehung einer Winterdepression beteiligt ist. Er ist unter anderem an der Regulation der Emotionen beteiligt. Aber auch ein niedriger Vitamin-D-Spiegel könnte eine Rolle spielen.

Das legen zumindest ein Studienvergleich der University od Georgia nahe. Die Wissenschaftler kamen dabei zu dem Schluss, dass Vitamin-D-Mangel zumindest indirekt Auslöser für die psychische Erkrankung sein könnte. Denn schon länger ist bekannt, das Menschen mit Depressionen auch geringere Vitamin-D-Werte aufweisen. Das "Sonnenvitamin" spielt außerdem eine zentrale Rolle bei der Produktion von Serotonin und Dopamin.

Was hilft gegen eine Winterdepression?

Manchen Menschen mit Winterdepression hilft eine Lichttherapie. Dazu setzen sie sich über einen Zeitraum von 14 Tagen jeweils vor und nach Sonnenaufgang für mindestens eine halbe Stunde vor ein Lichtgerät.
Bei schweren Symptomen helfen antidepressive Medikamente wie Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), Noradranalin-Wiederaufnahme-Hemmer oder Trizyklische Antidepressiva. Auch eine kognitive Verhaltenstherapie kann dazu beitragen, das Wintertief in den Griff zu kriegen.

Was Sie selbst tun können

Die beste Strategie gegen den winterlichen Trübsinn ist möglichst viel Tageslicht zu tanken. Das funktioniert sogar bei bedecktem Himmel durch den immer noch jede Menge Strahlen dringen. Doppelt wirksam wird die Lichttherapie, wenn man sich bewegt: Denn Bewegung selbst ist schon ein wirksames Antidepressivum. Ob Joggen, Nordic Walken, Langlaufen oder Spazierengehen – die Doppelkur aus Licht und Bewegung bringt besonders am Morgen die Stimmung auf Trab.

Stand: 09.12.2014
Autor:

Vorlage: Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl
Quellen:

  • Lurie S. J. et al.: Seasonal Affective Disorders. American Family Physician 2006; 74: 1521-1524
  • Hilger E. et al.: Die Pharmakotherapie der saisonal abhängigen Depression. Nervenarzt 2002; 73: 22-31
  • Nationale Versorgungs-Leitlinie der Bundesärztekammer (BÄK) und der Dt. Ges. f. Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN): Unipolare Depression (Stand: August 2011)
  • Leitlinie der Dt. Ges. f. Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM): Auswirkungen des Wetters auf die menschliche Gesundheit (Stand: November 2008)
  • Stewart A.E. et al.: Possible contributions of skin pigmentation and vitamin D in a polyfactorial model of seasonal affective disorder, Med Hyptheses, Nov 2014.