Guter Schlaf schützt vor Alzheimer

Schlummernde Frau

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Während der Mensch schläft, werden im Körper Reparaturmaßnahmen hochgefahren – auch im Gehirn. Hier entsorgt die körpereigene „Müllabfuhr“ unter anderem schädliche Eiweißstrukturen. Geschieht das nicht in ausreichendem Maße, sammeln sie sich an. Darunter sind auch Moleküle, die im Zusammenhang mit Alzheimer stehen. Begünstigt schlechter Schlaf also Alzheimer? Erfahren Sie in der Bildergalerie weitere Risikofaktoren für Demenzerkrankungen.

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Ganz genau weiß man es noch nicht, warum der Mensch überhaupt schlafen muss. Fest steht nur: Ohne geht es nicht. Schlafentzug ist eine Tortur, die sogar tödlich enden kann. Sicher weiß man auch, dass Schlafen der Regeneration dient und der Neujustierung. Das gilt auch für das Gehirn. Nachts werden neue Eindrücke sortiert und abgespeichert, Lernen geschieht somit tatsächlich im Schlaf.

Putzkolonne im Gehirn

Jetzt zeigen aktuelle Studien, dass das nicht alles ist: Im Schlaf fegt eine Art Putzkolonne durch das Oberstübchen und beseitigt schädliche Eiweißstrukturen. Diese bilden sich unentwegt im Verlauf von Stoffwechselprozessen. Solange sie ebenso schnell wieder beseitigt werden, wie sie entstehen, ist alles im Lot.

Dafür sorgt auch eine tüchtige Mütze Schlaf: „Schlaf ist für das Gehirn wie ein Spülprogramm, denn im Schlaf werden Abbaustoffe ausgewaschen“, erklärt Professor Geert Mayer, Chefarzt der Neurologie und des Schlafmedizinischen Zentrums der Hephata-Klinik in Schwalmstadt auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. „Fehlt die Nachtruhe, kann sich in den Nervenzellen Abfall des Gehirnstoffwechsels anhäufen und Schaden anrichten.“ Dann bilden sich Plaques aus Amyloid-ß-Molekülen, die irgendwann die Nervenzellen zugrunde gehen lassen.

Schlafloses Deutschland

Vor diesem Hintergrund bedenklich ist, dass nach Angaben des Robert Koch-Instituts jeder vierte Deutsche über Schlafstörungen klagt. Jeder Zehnte fühlt sich nicht erholt, obwohl er genug geschlafen hat – auch das ein Anzeichen für mangelnde Schlafqualität.

Zwar betont Schlafmediziner Mayer: „Nicht jeder, der das Gefühl hat, schlecht zu schlafen, leidet unter einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung.“ Bei folgenden Beschwerden sollte man jedoch aktiv werden:

  • Tagesschläfrigkeit
  • Ein- und Durchschlafstörungen, die länger als drei Monate anhalten
  • sehr unruhiger Schlaf
  • nächtliche Atemaussetzer und andere auffällige motorische Phänomene

Optimal für eine gesicherte Diagnose ist dann eine Nacht im Schlaflabor. Dabei werden die Vitalfunktionen wie Blutdruck, Puls und Atmung sowie die Hirnströme des Patienten aufgezeichnet, und sein Schlummer per Videokamera überwacht.

So schlafen Sie gut

Für besseren Schlaf kann jeder etwas tun:

  1. Bewegen Sie sich regelmäßig und treiben Sie Sport – allerdings nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen.
  2. Erlernen Sie eine Entspannungstechnik wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson.
  3. Legen Sie auch tagsüber regelmäßig Pausen ein. Wer den ganzen Tag Gas gibt, kommt abends nur schlecht runter.
  4. Essen Sie vor dem Schlafengehen nicht zu üppig. „Abends wie ein Bettler“ hat schon Oma empfohlen.
  5. Alkohol entspannt zwar und macht müde, er stört aber die Schlafqualität. Also besser Zurückhaltung üben bei Wein, Bier & Co.
  6. Natürlich sind auch koffeinhaltige Muntermacher wie Kaffee, Schwarz- und Grüntee, Kakao oder Cola dem Schlaf abträglich. 
  7. Setzen Sie lieber auf entspannende Gute-Nacht-Tees - beispielsweise eine Mischung aus Melisse, Baldrian, Hopfen und Lavendel - oder auf Omas Hausrezept: heiße Milch mit Honig.
  8. Ob mit Socken oder Wärmflasche: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Füße im Bett warm sind.
  9. Gehen Sie erst zu Bett, wenn Sie wirklich müde sind. Sonst wälzen Sie sich nur endlos in den Kissen. Sollte das dennoch der Fall sein, stehen Sie auf und versuchen Sie Ihr Glück ein Stündchen später noch einmal.
  10. Versuchen Sie regelmäßige Zubettgeh- und Aufstehzeiten einzuhalten – dann stellt sich Ihr Körper auf den Rhythmus ein.
  11. Verzichten Sie aufs Mittagsschläfchen, auch wenn Sie müde sind. Sonst fällt Ihnen die Nachtruhe anschließend nur umso schwerer.

 

Stand: 28.09.2016
Autor:

Quelle: Pressemitteilung der Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V., 21.09.2016