So ticken Sie richtig

Die Biouhr tickt nicht bei allen gleich

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Der menschliche Körper besitzt eine innere Uhr: Verschiedene Organe haben zu unterschiedlichen Zeiten regelrechte Hochphasen. Wer sich in ihrem Rhythmus bewegt, dem fällt vieles leichter. Egal ob es um die richtige Uhrzeit zum Epilieren, Arbeiten oder Essen geht. Es gibt allerdings unterschiedliche „Chronotypen“ – mit unterschiedlichen Vorlieben. Wir zeigen Ihnen in der Klickstrecke, auf was Sie beim Planen Ihres Tages achten sollten.

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Von Eulen und Lerchen

Nicht bei allen Menschen schlägt die innere Uhr im gleichen Takt. Forscher haben den unterschiedlichen „Chronotypen“ Vögel zugewiesen. Der Lerchentyp schlägt (früh) morgens die Augen auf und ist wach und voller Tatendrang. Vor allem vormittags ist er ein produktiver Arbeiter. Nachmittags geht dagegen nicht mehr viel, abends sinkt er relativ früh erschöpft ins Bett. Der andere Chronotyp, die sogenannten Eulen, sind eher Abendtypen. Sie kommen morgens nur mit mehreren Tassen Kaffee in die Gänge. Dafür sind sie abends für jede Party zu haben.

Problematischer Schlafmangel

Menschen, die ständig gegen ihre innere Uhr leben und chronisch zu wenig oder falsch schlafen, schaden dem Körper nachweislich. Ein Beispiel: Die Nacht ist eigentlich eine Ruhe- und Erholungsphase für den Organismus. Wer jetzt entgegen seiner inneren Uhr etwas isst, wird dicker, als wenn er die gleiche Menge Nahrung am Tag zu sich genommen hätte. Damit erhöht sich folglich das Risiko für Übergewicht und Diabetes. Für Schicht- und Nachtarbeiter ist das ein gängiges Problem. Sie leben gefährlicher, denn auch die die Immunabwehr wird geschwächt. Nicht zuletzt steigt durch Übermüdung auch die Unfallgefahr.

Winterkinder als Langschläfer

Der Chronotyp ist nichts, was sich ein Mensch aussuchen kann, sondern er ist angeboren. Bei den nachtaktiven Menschen ist das Gen „Period 3“ kürzer als bei Frühaufstehern. Allerdings scheinen einige Faktoren den Chronotyp zu beeinflussen, zum Beispiel die Jahreszeit, in der ein Mensch das Licht der Welt erblickt hat. Die Tageslänge der ersten Lebensmonate habe nachhaltigen Einfluss auf die innere Uhr, entdeckte Douglas McMahon von der Vanderbilt University bei Versuchen an Mäusen. Demzufolge zeigten Tiere, die im Winter (mit kurzen Lichtzeiten) geboren wurden, später im Leben eher einen nach hinten verschobenen Tagesrhythmus.

An der Uhr gedreht

Allerdings verändert sich der Chronotyp auch während des Lebens – Teenager stehen zum Beispiel in der Regel wesentlich später auf als Senioren. Trotzdem ist man seinem Chronotyp nicht völlig hilflos ausgeliefert, er lässt sich auch ein bisschen fein justieren.

Nutzbar machen kann man sich das Sonnenlicht als Taktgeber. Wer sich mittags hellem Licht aussetzt, und danach den Sonnenschein eher meidet, wird abends früher müde. Das Ganze funktioniert auch andersherum: Wer sich in den Vormittagsstunden vom Tageslicht fernhält und sich ab Mittag dem Sonnenlicht aussetzt, sinkt an diesem Tag erst später in die Kissen.

Sonnenbaden am Morgen

Wer ein ausgiebiges Sonnenbad nehmen möchte, sollte dies eher in den frühen Morgenstunden tun. Zu diesem Zeitpunkt scheint die Gefahr geringer zu sein, Hautkrebs zu entwickeln. Das legt jedenfalls eine Studie der University of North Carolina nahe. Der Grund: Der Mechanismus, der in der Haut Schäden durch UV-Strahlung ausbessert, ist morgens am aktivsten. Allerdings kann die Zeit bei Menschen individuell stark variieren.

Bei den Lerchen könnte der perfekte Termin für ein Sonnenbad schon vor sieben Uhr früh liegen, so die Studie. Hierzulande ist das schwer umsetzbar – außer durch einen Gang ins Solarium. Bei den Eulen liegt der richtige Zeitpunkt fürs Sonnenbad deutlich später.

Stand: 08.12.2016
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Quellen:

  • Laura Fonken et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1008734107
  • Till Roenneberg et al.: Current Biology, Bd. 17, S. R44
  • Archer SN et al. (2003) AMER ACAD SLEEP MEDICINE SLEEP, 26 (4), pp. 413-415.