Rauchstopp - darum ist er so schwer

Darum ist der Rauchstopp so schwer

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"Es ist, als wären Sie total durstig, und dürften das große Glas Wasser vor Ihnen nicht trinken" - diesen gängigen Vergleich ziehen Raucher oft heran, um die Schwierigkeit des Unterfangens Rauchstopp klarzumachen. Warum der Körper von Rauchern mit schweren Entzugserscheinungen reagiert, wenn die gewohnten Glimmstängel ausbleiben, und wie schnell er sich trotzdem nach einem Rauchstopp erholt, lesen Sie hier.

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Zigaretten gehören für die meisten Raucher zum Leben dazu. Egal ob beim Frühstückskaffee, in der Mittagspause oder beim Bier am Abend - ohne den gewohnten Glimmstängel schmeckt´s vielen Rauchern einfach nicht. Doch nicht nur das: Bleibt die gewohnte Nikotindosis aus, reagiert der menschliche Körper sofort mit Entzugssymptomen.

Raucher ohne Zigaretten sind nervös, schlecht gelaunt, aggressiv oder sogar depressiv. Der Grund ist einfach: Sie sind sowohl körperlich als auch seelisch abhängig vom Qualmen. Doch warum genau können Raucher die tödlichen Glimmstängel einfach nicht in der Schachtel lassen?

Verlust der persönlichen Selbstbestimmung

Jede Abhängigkeit, egal ob von Alkohol, illegalen Drogen oder Nikotin, geht mit einem Verlust der persönlichen Selbstbestimmung einher. Schuld daran ist eine komplexe Wechselwirkung von seelischen, sozialen und körperlichen Prozessen, die diese Substanzen im menschlichen Körper auslösen.

Suchtpotenzial ähnlich hoch wie bei Heroin

Was viele Menschen beim Rauchen unterschätzen: Eine Nikotinsucht zeichnet sich durch ein ähnlich hohes Suchtpotenzial aus wie eine Heroin- oder Kokainsucht. "Und von diesen illegalen Drogen kommen die Menschen ja auch nicht ohne Weiteres los", erklärt Rauchstoppexperte und Diplom-Psychologe Steven Graves. Besonders tückisch sei bei einer Nikotinsucht, dass sich dieser Stoff für unser Gehirn unentbehrlich macht.

Nikotin schleicht sich ins Gehirn

So stimuliert jeder Zug an der Zigarette Bereiche im Gehirn, die für lebensnotwendige Prozesse zuständig sind - und dazu gehört auch das Belohnungssystem. "Es schüttet Glückshormone aus. Und diese sorgen dafür, dass wir uns beim Essen, Schlafen, Trinken und beim Sex wohlfühlen", so Graves. Bei den Neandertalern diente dieser Mechanismus der Arterhaltung, heute sorgt er unter anderem dafür, dass Raucher Zigaretten als lebensnotwendig empfinden.

Körper rebelliert gegen Nikotinentzug

Die Konsequenzen davon spüren Raucher dann, wenn Sie über einen längeren Zeitraum nicht mehr gequalmt haben. Der Körper reagiert auf die ausbleibende Dosis Glückshormone mit Entzugserscheinungen, beispielsweise Pulsverlangsamung, Blutdruckabfall, Schlafstörungen, Müdigkeit, Unruhe, Stimmungsschwankungen oder sogar Hunger - und das oft schon wenige Stunden nach der letzten Zigarette.

Die gute Nachricht: Körperliche Entzugssymptome verschwinden schon nach ein bis vier Wochen - was viele Raucher oft problemlos meistern würden. Weitaus schlimmer empfinden sie dagegen den psychischen Entzug.

"Kaffee ohne Kippe - das geht gar nicht"

Zusammen mit den Zigaretten müssen sich Raucher nämlich auch von Verhaltensmustern verabschieden, die sie sich im Lauf ihrer Raucherkarriere angewöhnt haben. Zum Beispiel, dass sie eine Raucherpause "brauchen", wenn es im Büro mal stressig zugeht, dass zehn Minuten Wartezeit an der Bushaltestelle selbstverständlich für eine Zigarette genutzt werden, oder dass zu einem Bier unbedingt eine Zigarette gehört.

Diese teils über viele Jahre entwickelte "Macht der Gewohnheit" führt dazu, dass bestimmte Situationen bei Rauchern eine heftige Rauchlust auslösen - und das manchmal auch noch viele Jahre nach einem Rauchstopp.

Muss ich jetzt für immer Rauchen? Nein!

Addiert man alle Faktoren, die bei der Zigarettensucht eine Rolle spielen, wird klar: Ein Rauchstopp ist kein Kinderspiel. Deshalb fragen sich viele Raucher, wie sie den Abschied vom Glimmstängel trotzdem schaffen - und zwar dauerhaft.

"Das Wichtigste ist, dass Raucher den Absprung auch wirklich schaffen wollen", erklärt Graves. Und dann müsse das Gehirn lernen, mit Zigaretten nichts Gutes mehr zu verknüpfen.  Dabei können Nikotinersatzmittel wie Pflaster oder Kaugummis helfen. Sie sorgen dafür, dass die Zigaretten ihre Wirkung verlieren - und damit nach und nach den Wert.

"Auch beim Rauchstopp gilt: Viel hilft viel"

Aber auch andere Maßnahmen wie Akupunktur oder Hypnose können bei einem Rauchtopp helfen. "Als Ergänzung zu Rauchentwöhnungsprogrammen können diese Methoden durchaus sinnvoll sein", rät der Diplom-Psychologe. "Viel hilft eben auch beim Rauchstopp viel".

Stand: 30.12.2015
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