Nagelpilz ist für Diabetiker gefährlich

Nagelpilz ist für Diabetiker gefährlich

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Eine Pilzinfektion der Zehennägel ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Bei Menschen mit der Zuckerkrankheit kann die vermeintliche Bagatelle lebensgefährliche Folgen nach sich ziehen. Besonders tückisch: Wer an Diabetes leidet, bemerkt die Erkrankung oft erst spät, weil die Empfindung für Juckreiz und Schmerzen gestört ist. Lesen Sie in der Klickstrecke, wie Sie Ihre Füße richtig pflegen.

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Nagelpilz - Risikofaktor Diabetes

Dicke, brüchige und verfärbte Zehennägel haben oft nur eine Ursache: Ein Pilz hat sich auf und unter den Nägeln breitgemacht. Besonders gefährdet sind Diabetiker: Sie tragen ein dreimal höheres Risiko für Nagelpilz (Onychomykose) als Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel. Ein Grund dafür ist, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel auf Dauer die Blutgefäße schädigt und zu Durchblutungsstörungen führt. In der Folge bildet sich in den Nagelwurzeln minderwertiges Keratin, das für Infektionen anfälliger ist. Keratin ist der Grundbaustein der Nägel (und auch Haare).

Ohnehin sind Diabetiker vor allem dann, wenn der Blutzucker schlecht eingestellt ist, anfälliger für Infektionen. Besonders leicht haben es Krankheitserreger an den Füßen von Zuckerkranken, wo die Haut oft trocken, spröde und rissig ist. Das erleichtert Pilzsporen und anderen Erregern den Angriff. Tatsächlich nimmt eine Nagelpilzinfektion fast immer ihren Ausgang an umliegenden Hautstellen: So siedeln sich Pilze zunächst vor allem in den Zehenzwischenräumen an, bevor sie sich auf die Nägel ausbreiten.

Übrigens sind männliche Diabetiker häufiger von Nagelpilz betroffen als weibliche - vermutlich, weil Männer generell etwas unbekümmerter mit "kosmetischen" Nagelproblemen umgehen als Frauen.

Gefährliche Komplikationen

Nagelpilz ist für Diabetiker beiderlei Geschlechts aber viel mehr als ein kosmetisches Problem. Die Veränderungen und Schäden an Haut und Nägeln, die mit Pilzinfektionen einhergehen, öffnen weiteren Krankheitserregern Tür und Tor.

Auch Haut- und Nagelschäden, die auf andere Weise als eine Pilzinfektion zustande kommen (z.B. Blasen und Druckstellen an Haut und Nägeln durch zu enge Schuhe, Hautabschürfungen), bieten Pilzen, Bakterien und anderen Erregern Eintrittspforten in den Körper.

Diabetisches Fußsyndrom

Jede Wunde, egal, wie sie zustande kommt, kann für Diabetiker fatal sein. Denn Zuckerkranke verfügen auch über eine schlechte Wundheilung. Zunächst harmlos aussehende kleine Wunden können so rasch zu einem langwierigen Problem werden und sich sogar zu einem Geschwür entwickeln - Mediziner sprechen vom diabetischen Fußsyndrom.

Mit der Zeit können infizierte Wunden und Geschwüre Weichteile und Knochen zerstören. Im schlimmsten Fall kann die Entzündung über eine Blutvergiftung das Leben der Betroffenen gefährden und eine Amputation notwendig machen. Bei etwa 70 Prozent der mehr als 60.000 Amputationen, die jährlich in Deutschland durchgeführt werden, liegt ein Diabetiker auf dem OP-Tisch.

Augen auf!

Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollten Diabetiker ihre Füße jeden Tag auf mögliche Veränderungen (z.B. Wunden, Verletzungen, Nagelveränderungen durch Pilze) hin untersuchen - eventuell auch mithilfe eines Handspiegels zur Begutachtung der Fußsohlen.

Diese Sichtkontrolle kann bei Zuckerkranken entscheidend sein. Denn die krankheitsbedingte Schädigung der Nerven (diabetische Neuropathie) schränkt bei vielen Patienten das Schmerzempfinden ein. Während also Nicht-Zuckerkranke etwa durch Schmerzen an der Ferse auf eine Blase oder durch Juckreiz zwischen den Zehen auf eine Pilzinfektion aufmerksam werden, nehmen Diabetiker solche Symptome oftmals gar nicht wahr. Sie müssen sich daher vor allem auf ihre Augen verlassen, wenn es um die Gesundheit ihrer Füße geht.

Stand: 04.10.2016
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Quelle:

  • Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft: Diabetisches Fußsyndrom. Aktualisierung 2012 (www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de)
  • Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der Deutschen Diabetes Gesellschaft (www.ag-fuss-ddg.de)
  • Hien, P. & Böhm, B.: Diabetes-Handbuch: Eine Anleitung für Praxis und Klinik, Springer Verlag, 2010
  • Eckhardt, A. & Lobmann, R.: Der diabetische Fuß: Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie, Springer Verlag, 2005
  • Netdoktor.de (www.netdoktor.de/krankheiten/nagelpilz)