Hände weg von Gerstenkörnern!

Gerstenkörner sind meist harmlos - aber nicht immer. Hier erfahren Sie, ab wann Sie zum Arzt müssen und wie Sie die Abheilung selbst unterstützen können.

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Es schwillt an, ist rot und tut oft ziemlich weh - ein Gerstenkorn am Auge ist unangenehm und sieht auch noch unschön aus. Normalerweise ist die kleine Entzündung am Auge zwar harmlos, sie kann aber auch ein Hinweis auf eine Stoffwechselerkrankung sein. Hier erfahren Sie, ab wann Sie zum Arzt müssen, und wie Sie die Heilung unterstützen können.

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Ein Gerstenkorn (Hordeolum) ist nicht viel mehr als ein Pickel - nur dringen die Eiterbakterien dabei in eine Drüse am Lidrand ein. Ein Gerstenkorn kann sich am Ober- oder Unterlid bilden. In der Folge schwillt das Lid an, nach etwa vier Tagen erscheint dann das gelbe Eiterköpfchen. Jetzt dauert die Pein noch rund eine Woche, in der das eitrige Gerstenkorn "heranreift". Dann platzt es auf, der Eiter fließt ab und der Heilungsprozess kann beginnen. Betroffene juckt es deshalb oft schon vorher in den Fingern, das gelbe Eiterknöpfchen durch Drücken, Quetschen oder Kratzen aufzubrechen.

Aber Vorsicht - denn solche Attacken können böse enden. Gefährliche Bakterien können durch unsachgemäßes Triezen in die Blutbahn gelangen und von dort sogar bis in die Hirnhaut wandern. Mögliche Folge ist eine eitrige Hirnhautentzündung, die das Gehirn schädigen und sogar lebensgefährlich werden kann.

Heilung unterstützen

Es heißt also: Finger weg vom Gerstenkorn! Trotzdem können Sie ein paar Dinge tun, damit die Infektion schneller abklingt. Trockene Wärme, zum Beispiel in Form von Rotlicht, kann helfen die Reifung zu beschleunigen zu beschleunigen. Dabei sollte das Auge aber nicht "gebraten" werden, sondern das Gefühl entstehen, als würde man gemütlich ein Sonnenbad nehmen. Durch die Wärme werden Talg und Eiter dünnflüssiger - das Gerstenkorn öffnet sich schneller.

Gut tun außerdem auch desinfizierende oder antibiotikahaltige Augenmedikamente, welche die Schwellung verringern und die Infektion bekämpfen. Achten Sie speziell bei Augenmedikamenten aber unbedingt auf das Haltbarkeitsdatum, denn die empfindliche Hornhaut des Augapfels kann sich gegen hereingetragene Bakterien und Viren schlecht wehren und könnte Schaden nehmen. Nicht so gut ist dagegen feuchte Wärme. Sie weichen die Haut auf und können Bakterien verschleppen. Machen Sie deswegen am Auge keine Umschläge oder Kompressen.  Entfernen Sie lediglich vorsichtig mit einer sauberen, feuchten Kompresse die Sekretverkrustungen, die durch den Eiterabfluss entstehen.

Vorbeugend kann es helfen, am gesunden Auge eine sogenannte Lidrandhygiene zu betreiben. Legen Sie dafür zehn Minuten warme Kompressen auf die Augen und massieren Sie im Anschluss mit Wattestäbchen oder sauberen Fingern die Lider, und zwar immer zur Lidkante hin. Was bei diesem Prozess an Sekret aus den Talgdrüsen an den Lidrändern tritt, kann mit einem feuchten Wattestäbchen entfernt werden. Verwenden Sie dafür das Wattestäbchen nicht zwei Mal, sondern nehmen Sie für jeden Wischvorgang ein neues.

Wann muss ich zum Arzt?

Meist heilen Gerstenkörner von allein ab - allerdings kann es länger dauern. Experten rechnen mit sechs bis acht Wochen. Ein einmaliges Gerstenkorn ist noch kein Grund zum Arzt zu gehen. Treten die störenden Stipel aber öfter auf, sollten Sie einen Augen- oder Hautarzt aufsuchen. Dieser kann Ihnen die richtigen Medikamente verordnen oder im Extremfall das Gerstenkorn auch mit einer sterilen Nadel öffnen. Häufig auftretende Gerstenkörner können übrigens auf ein schwaches Immunsystem oder sogar Diabetes hinweisen.

Stand: 10.04.2017
Autor:

Quellen:

  • C. Dahlmann: Crashkurs Augenheilkunde. Urban & Fischer Verlag/Elsevier, 2009
  • www.auge-online.de (Abruf 01.02.2016)
  • Uniklinik Freiburg: ampuls online (Abruf 01.02.2016)