Lippenherpes - bloß keine Zahnpasta

Die Chance ist hoch, dass auch Sie vom Herpes-Virus befallen sind. So halten Sie ihn in Schach!

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Eines seiner bekannteren Opfer: Katie Holmes. Aber der fiese Herpes-simplex-Virus sucht sich auch weniger prominente Opfer - für ihn zählt Quantität. Die WHO veröffentlichte Zahlen, nach denen in Europa über 65 Prozent der Bevölkerung den Erreger für Lippenherpes in sich tragen. Bei vielen zeigt er sich nie. Aber wenn, dann ist der Leidensdruck enorm. Was ist Herpes eigentlich und welche Strategien helfen im Kampf gegen die Lippenbläschen?

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Was ist Herpes?

Herpes labialis, auch als Fieberbläschen oder Lippenherpes bekannt, ist eine ansteckende Viruserkrankung. Auslöser ist der sogenannte Herpes-simplex-Virus Typ 1 (Typ 2 löst vor allem Herpes im Genitalbereich aus). Die befallenen Stellen befinden sich meist an und um die Lippen - die Bläschen können aber auch bis hoch zur Nase oder sogar zum Auge wandern.

Die kleinen Bläschen wachsen, bis sie platzen, dann beginnen die Wunden zu nässen. Über die Flüssigkeit werden neue Generationen von Viren in die Umwelt entlassen. Die Bläschen sind für Betroffene nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern können auch sehr schmerzhaft sein. Wer sich die Viren einmal eingefangen hat, wird sie nicht wieder los.

Hausmittel gegen Herpes?

Wegen eines Lippenherpes müssen Sie normalerweise nicht zum Arzt. Innerhalb von sieben bis zehn Tagen klingen die Beschwerden ab. Die Bläschen heilen in den meisten Fällen ohne Narben ab. Trotzdem sind die "blühenden" Lippen ein stetes Ärgernis, zumal es auch immer noch kein Mittel gibt, was Herpes endgültig in seine Schranken weist. Zusätzlich sehen die krustigen Lippen sehr unschön aus - der Leidensdruck ist entsprechend hoch.

Gegen den Lippenherpes kursieren viele Rezepte. Einer der Klassiker: Zahnpasta. Sie soll helfen, das Bläschen schneller zu Reifung zu bringen und dadurch den Prozess zu beschleunigen. Doch Vorsicht - die weiße Paste trocknet auf den Bläschen an. Wer sie entfernt, hebelt damit oft auch den schützenden Deckel von der Wunde und öffnet Bakterien die Tür. Außerdem kann die austrocknende Wirkung der Zahnpaste die Abheilung sogar verzögern. Deshalb gilt auch: Hände weg von Essig oder Alkohol.

Honig hilft - eventuell

Manche Betroffene schwören auf Honig oder Propolis. Die Naturstoffe hat keimhemmende Wirkungen - ein Grund, warum er seit langer Zeit in der Heilkunde eingesetzt wird. Tatsächlich gibt es einige Studien, die darauf hinweisen, dass Honig oder auch das Bienenharz gegen Herpes-Viren helfen könnte. Allerdings sind für eine klarere Aussage noch weitere Untersuchungen nötig, da bisher nur sehr kleine Fallzahlen analysiert wurden. Ähnlich vielversprechend scheint Melissenextrakt zu sein.

Die meisten Hausmittel können den Krankheitsverlauf nicht abkürzen - zumindest helfen aber ein paar, die Schmerzen zu lindern. Als wohltuend beschreiben einige das Auflegen eines metallenen Löffels, der vorher im Kühlschrank gelegen hat. Bei starkem Spannungsschmerz können auch vorsichtig Cremes aufgetupft werden.

Auf Fettsalben sollte man übrigens verzichten - vor allem, wenn der Herpes schon ins Bläschenstadium übergegangen ist. Denn diese können leicht zur Ausbreitung der Viren beitragen und außerdem zusätzliche Infektionen mit Bakterien begünstigen.

"Harte" Waffen im Kampf gegen Herpes

Im wirksamen Waffenarsenal gegen die Viren spielen vor allem die Wirkstoffe Aciclovir und Penciclovir eine entscheidende Rolle. Die Substanzen hemmen die Vermehrung und das Wachstum der Herpes-Viren, deswegen helfen sie nur, wenn sie frühzeitig zum Einsatz kommen. Sie beschleunigen in der Regel aber nur den Verlauf und verhindern die Bläschenbildung nicht komplett. Erhältlich ist Aciclovir in der Regel als Salbe, die auf die entzündete Stelle aufgetragen wird. Ein neuer Baustein im Kampf gegen Herpes sind Pflaster. Sie haben den Vorteil, dass die kleine Wunde im feuchten Milieu ohne Störung von außen heilen kann. Außerdem decken sie optisch die Krusten ab.

Lippenbläschen vorbeugen

Wer einmal Lippenbläschen hatte, muss damit rechnen, dass seine Lippe wieder aufblüht. Denn der eingenistete Virus kann jederzeit ausbrechen. Aber völlig schutzlos sind Sie ihm nicht ausgeliefert. Denn ein starkes Immunsystem kann den Eindringling meist in Schach halten. Deswegen sollten Sie Ihre Immunabwehr unterstützen. Dazu gehört:

  • eine ausgewogene Ernährung
  • ausreichend Schlaf
  • regelmäßige körperliche Aktivität
  • Stress meiden, beziehungsweise für guten Stress-Abbau sorgen
  • auf Alkohol und Zigaretten verzichten

Viele Menschen kennen spezielle Auslöser, die bei Ihnen ein Herpes hervorlocken, beispielsweise starke Sonneneinstrahlung, extreme Temperaturen, die Regelblutung oder Ekel. Führen Sie Buch und versuchen Sie so herauszufinden, ob Sie "rote Knöpfe" haben, die Sie meiden können.

Wenn Sie gerade eine Bläschenphase durchleiden, sollten Sie die Stelle möglichst wenig berühren, um weitere Regionen und sich selbst vor späterer Ansteckung zu schützen. Auch Handtücher und Ähnliches, die in dieser Zeit benutzt werden, sollten sehr heiß gewaschen werden. Bedenken Sie auch, dass Sie die Viren jetzt besonders leicht auf andere Menschen übertragen können - etwa beim Küssen.

Stand: 29.08.2016
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Quellen:

  • N. Cheshenko et al. HSV activates Akt to trigger calcium release and promote viral entry: novel candidate target for treatment and suppression. The FASEB Journal, 2013; DOI: 10.1096/fj.12-220285dx.doi.org/10.1096/fj.12-220285
  • Department of Health UK: Cold Sores (Abruf: 02.07.2016)
  • AI-Waili NS: Topical honey application vs. acyclovir for the treatment of recurrent herpes simplex lesions; Med Sci Monit. 2004 Aug;10(8):MT94-8.
  • Littlejohn E. : The Sensitivity of Adenovirus and Herpes simplex virus to Honey (Abruf: 02.07.2016)
  • Klinik für Dermatologie, Ruhr-Universität Bochum: Patientenmerkblatt zu Herpes simplex (Abruf: 02.07.2016)
  • Pharmazeutische Zeitung online: Herpes labialis, Neues aus Therapie und Forschung (Abruf: 02.07.2016)