Zähneknirschen - mehr als eine schlechte Angewohnheit

Tinnitus, Kopfschmerzen, tote Zähne - Zähneknirschen kann gefährlich sein. Auf diese Warnzeichen sollten Sie achten

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Der Mensch hat ganz schön Kraft in seinem Kiefer - bis zu 40 Kilogramm Druck pro Quadratzentimeter kann auf den Kauflächen der Backenzähne ausgeübt werden. Bei jedem dritten Deutschen, so schätzt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, walten diese Kräfte unbewusst - vor allem nachts. Das kann unangenehme Nebenwirkungen haben - hier erfahren Sie, wie Sie sich schützen können.

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Folgenhaftes Zähneknirschens

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie mit den Zähnen knirschen. Oft weist erst ihr Schlafgefährte sie darauf hin. Hin und wieder passiert das bei fast jedem. Vorsicht ist allerdings bei Dauerknirschern geboten, denn es gibt einige gesundheitliche Folgen.

Bis zu 45 Minuten kann laut Experten eine Knirscheinheit dauern. Und dabei wirken Kräfte, die wesentlich stärker sind, als beim normalen Kauvorgang - mit unangenehmen Folgen.

Erstes Anzeichen kann ein Muskelkater um die Kiefermuskulatur sein - die Anspannung hinterlässt so ihre Spuren. Wird jetzt nichts unternommen, kann sich der Muskel verhärten und das Zusammenspiel von Muskeln und Gelenken krankhaft verändert werden.

Ein weiteres Warnzeichen ist ein Knackgeräusch bei Bewegungen des Kiefers. Denn zwischen den beiden Kiefergelenken gibt es eine Gelenkscheibe, deren Lage sich durch das Knirschen verändern kann. Diese Scheibe kann sogar so verrutschen, dass sie die Mundöffnung blockiert. Patienten können ihren Mund dann nicht mehr richtig öffnen.

Aber auch die Zähne leiden - sie können ihren Stellungswinkel verändern, einzelne Beißerchen lockern sich. Am schnellsten wird die Zahnoberfläche in Mitleidenschaft gezogen. Manche Knirscher raspeln ihre Zähne auch bis zur Zahnwurzel selbst ab. Das kann so weit gehen, dass sich das Zahnmark in die Zahnwurzel zurück zieht - bis der Zahn schließlich abstirbt. Oft gibt hier der Zahnarzt hier den ersten Hinweis, dass ein Knirschproblem vorliegt.

Der Dauerdruck lässt auch die Zahnumgebung nicht unangetastet. Der ganze Haltungsapparat wird in Mitleidenschaft gezogen - Verspannungen im Kiefer-, Nacken- und Rückenbereich aber auch Kopfschmerzen oder Tinnitus können die Folge sein.

Deswegen ist es wichtig, sich ärztlich beraten zu lassen, um rechtzeitig gegenzusteuern.

So schützen Sie Ihre Beißer

Als Erste-Hilfe-Maßnahme bekommen Knirscher erst einmal eine Kunststoffschiene. Das ist auch gut so, denn das Plastik, das beim Schlafen in den Mund genommen wird, verhindert, dass sich die Zähne weiter abreiben.

Langfristig ist damit aber nur das Symptom und noch nicht die Ursache für den Abrieb beseitigt. Der ist meist im Seelenzustand des Zähneknirschers zu suchen. Besonders Stress und psychische Belastungen sind als Auslöser bekannt. Hier helfen Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder auch Gesichtsgymnastik.

Hilfreich kann auch eine verstärkte Selbstkontrolle sein, die auf Techniken der Verhaltenstherapie basieren. Sie geht davon aus, dass den Zahnknirschern erst der Vorgang bewusst gemacht werden muss, damit sie ihn sich abgewöhnen können. Dabei lernen sie, dass es ideal ist es, wenn die Zähne von Ober- und Unterkiefer locker aufeinander liegen oder einen geringen Abstand zueinander haben.

In manchen Fällen ist die Ursache für das Knirschen auch in schlecht sitzenden Füllungen, Brücken oder Kronen zu suchen. In diesem Fall kann der Zahnarzt schnell helfen.

Stand: 27.07.2016
Autor:

Vorlage: Dr. med. dent. Susanne Schorr
Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), Internet: www.dgzmk.de