Zahnforscher - Weniger Bakterien, mehr Karies

Zahnpflege ist heute wichtiger denn je

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Zahnstein und Karies gab es schon im Mittelalter. Aber: Die Erkrankungen der Mundhöhle waren viel seltener als heute, obwohl man es damals mit der Mundhygiene und dem Zähneputzen nicht so genau nahm. Das zeigt eine australische Studie – und liefert auch gleich den Grund: Unsere Ernährung begünstigt die schädlichen Bakterien besonders. Mundhygiene wird also immer wichtiger.

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Die Forscher der University of Adelaide fanden heraus: Jedes Mal, wenn ein großer Zivilisationssprung gelang, veränderte sich bei den Menschen die Mundflora. Die Zahl der natürlicherweise im Mund lebenden Bakterienarten nahm ab.

Weniger Arten, weniger Konkurrenz

So wurde mit dem Beginn des Ackerbaus einige Tausend Jahre vor Christus die Nahrung reicher an schnell verwertbaren Kohlenhydraten, was bestimmte Bakterien begünstigte. Arten, die sich bei einer fleischreichen Nahrung wohler fühlten, verloren an Boden. Und als Mitte des 19. Jahrhunderts die industrielle Nahrungsmittelproduktion begann, veränderte sich das Spektrum der Bakterienarten im Mund erneut. Das belegten die australischen Forscher an Zahnsteinproben von Skeletten unserer Vorfahren. Denn sie enthielten das weitgehend intakte genetische Material jener Bakterien, die damals im Mundraum der Menschen gelebt hatten. Daraus konnten sie die Artenvielfalt bestimmen.

Ihre Beobachtungen waren eindeutig: Immer weniger Bakterienarten besiedelten den Mundraum, gleichzeitig nahmen zahnzerstörende Krankheiten im Mundraum zu. Oder im Umkehrschluss: Obwohl die Ahnen nicht besonders auf ihre Mundhygiene achteten und viel mehr Bakterienarten im Mundraum beherbergten als heute, litten sie seltener unter Karies und Parodontitis.

Bakterien-Schlaraffenland

Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass die heutige, wesentlich kohlenhydratreichere Kost für einige Mundkeime einen doppelten Vorteil bedeutet. Sie fanden nicht nur besonders viel Nahrung, sondern hatten auch immer weniger Konkurrenz durch andere Bakterienarten. Besonders profitierten von diesem Schlaraffenland offenbar der Karies-Erreger "Streptococcus mutans" sowie einige Arten, die die Zahnfleischentzündung (Parodontitis) auslösen. Diese führt zum fortschreitenden Schwund von Zahnfleisch - bis die Zähne schließlich ihren Halt verlieren und ausfallen.

Bakterien und Säuren ausschalten

Die Empfehlung der Forscher ist so schlicht wie bedeutsam: Nur eine gute Mundhygiene kann den Bakterien den Nährboden entziehen. Und das bedeutet, Zähne und Zahnfleisch mindestens zweimal täglich für rund drei Minuten mit einer manuellen oder elektrischen Zahnbürste zu reinigen und zu massieren.

Dabei sollten Sie auch die zum Gaumen und zur Zunge liegenden Innenseiten der Zähne gut reinigen und zu starken Druck vermeiden. Tagsüber können zahnpflegende Kaugummis helfen, die von den Bakterien gebildeten zahnzerstörenden Säuren zu neutralisieren.

Stand: 23.10.2013

Vorlage: Andrea Bannert

Autor:

Quelle: Adler, C.J. et. al.: Sequencing ancient calcified dental plaque shows changes in oral microbiota with dietary shifts of the Neolithic and Industrial revolutions, Nature Genetics 2013; DOI: 10.1038/ng.2536