Erektionsstörung nach Prostata-OP

Nach der Prostat-OP fängt für viele Männer das Leid erst an: Erektionsprobleme.

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Die Prostata kann Männern sehr zu schaffen machen - wenn sie sich vergrößert und fast mehr noch, wenn sie entfernt wurde. Eine Operation ist etwa bei Prostatakrebs nötig, auch wenn er keine Beschwerden bereitet. Nach der OP fängt für viele Männer das Leid erst an: Erektionsprobleme sind an der Tagesordnung, weil Nerven und Gefäße bei dem Eingriff verletzt worden sind. Was nun?

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Rund 70 Prozent aller Männer leiden nach einer Prostataoperation an Erektionsproblemen - so steht es im GEK-Krankenhausreport von 2012. Zwar kommen in den letzten Jahren zunehmend schonende Operationstechniken zum Einsatz, aber trotzdem bleibt die Rate von Nerven- und Gefäßverletzungen hoch - mit bösen Folgen für die Potenz.

Risikozone Prostata

Die Prostata, eine unterhalb der Samenblase sitzende, kastaniengroße Drüse, ist von einem dichten Netz aus Nerven und Blutgefäßen umgeben, die von der Vorsteherdrüse in den Penis bzw. die Schwellkörper ziehen und intakt sein müssen, wenn der Bluteinstrom während der Erektion problemlos funktionieren soll. Die Gefahr, dass dieses Versorgungssystem bei einem chirurgischen Eingriff getroffen wird, ist naturgemäß hoch und lässt sich nur begrenzt reduzieren. Hinzu kommt, dass bösartige Prostatatumoren dazu neigen, in das Gefäß-Nerven-Bündel hineinzuwachsen.

Trockener Orgasmus

Mehr oder weniger ausgeprägte Potenzstörungen sind also eine Operationsfolge, mit der Mann häufig leben muss. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Sensibilität des Penis und das Orgasmusgefühl verloren gehen. Bei den meisten Männern, die nach einer Prostata-OP nicht mehr zu einer spontanen Erektion fähig sind, ist eine manuelle Stimulation des Penis sehr wohl von Erfolg gekrönt.

Auch muss das Aus nicht immer endgültig sein: Bei Erhalt der Erektionsnerven auf zumindest einer Seite kann es mitunter ein Jahr lang dauern, bis die spontane Erektionsfähigkeit wieder hergestellt ist. Manchmal hilft also Geduld. Allerdings - auch das sollten Mann und Frau wissen - ist der Orgasmus ohne Prostata in jedem Fall ein trockener Höhepunkt ohne Erguss. Denn die Samenflüssigkeit stammt großteils aus der Vorsteherdrüse.

Auf jeden Fall sollten Sie versuchen, sich nicht unter Druck zu setzen, denn das ist der Dolchstoß für eine schwächelnde Erektions“maschinerie“. Sind die zuständigen Nerven intakt geblieben, kann Mann dem Penis auch mit Tabletten helfen, sich wieder aufzurichten. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Betroffene sich vor dem Sex gefäßerweiternde Wirkstoffe in die Schwellkörper spritzen. Und es gibt Vakuumpumpen und implantierbare Penisprothesen - die allerdings nicht jedermanns Sache sind. Scheuen Sie sich nicht, offen mit Ihrem Arzt über Ihre Probleme zu sprechen und beraten Sie sich über die zur Wahl stehenden Behandlungsmöglichkeiten.

Zweite Meinung einholen

Wegen der Kniffligkeit des Eingriffs sind Erfahrung und Qualifikation des Chirurgen bei Prostata-OPs besonders wichtig und für den Erfolg auch in puncto Erektionserhalt nachweislich entscheidend. Hinzu kommt: Nicht jede Prostata-OP, die hierzulande durchgeführt wird, ist wirklich notwendig. Zum Vergleich: In den USA wird deutlich seltener operiert. Sie sollten sich also immer sehr genau informieren und am besten eine zweite Meinung einholen, bevor Sie sich unters Messer legen und Ihre Prostata entfernen lassen.

Stand: 05.10.2016
Autor: Ulrike Viegener

Quellen:

  • Deutsches Krebsinformationszentrum; www.krebsinformationsdienst.de; (Abruf: 27.06.2015)
  • Günther H. Jacobi: Praxis der Männergesundheit; Thieme Verlag (2003)
  • Klinkium Uni Münster: Die Radikaloperation der Prostata beim Prostatakarzinom - ein Leitfaden für Patienten (4. Auflage)