Gynäkomastie: Auch Männern können Brüste wachsen

Alkoholexzesse fördern das Brustwachstum beim Mann

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Prall und voll sollen sie sein und sich gut sichtbar unter dem T-Shirt abzeichnen - zumindest wenn es um Frauenbrüste geht. Bei Männern sieht das Schönheitsideal völlig anders aus. Aber auch sie können weiblich anmutende Rundungen haben. Oft leiden die betroffenen Herren enorm unter ihrem Busen. Erfahren Sie, was es mit den vergrößerten Brustdrüsen beim Mann auf sich hat.

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Brustkrebs - das ist oft der erste Gedanke von Männern, wenn sie merken, dass sich ihre Brust umbildet und vergrößert. Tatsächlich ist die sogenannte Gynäkomastie - die ein- oder beidseitige Veränderung des Busens - eine irritierende Erscheinung. Eine eigenständige Erkrankung ist sie allerdings nicht, vielmehr ein Symptom, das oft auf eine hormonelle Störung hinweist. Typische Kennzeichen sind ein vergrößerter Brustvorhof und eine Vermehrung des Brustdrüsengewebes. Manche Patienten klagen zusätzlich über Spannungsschmerzen in der Brust.

Neugeborene mit kleinen Brüsten

Die Gynäkomastie trifft mehr Männer, als man gemeinhin annimmt - in manchen Phasen des Lebens ist eine Vergrößerung der Brüste sogar normal. So kommen circa 90 Prozent der Neugeborenen mit winzigen Brüsten zur Welt. Auslöser sind die weiblichen Hormone der Mutter, die auch auf den Fötus übertragen werden. Nach der Geburt werden die Botenstoffe abgebaut und die Brust des Säuglings bildet sich wieder zurück.

Auch in der Pubertät herrscht Hormonchaos im heranwachsenden männlichen Körper. Es werden Hormonvorstufen in weibliche Hormone umgewandelt - vor allem im Fett- und Muskelgewebe. Zwischen 40 und 70 Prozent der Jugendlichen sind davon betroffen. Gerade die Pubertierenden schämen sich oft für ihre geschwollenen Brüste und versuchen sie hinter weiten T-Shirts zu verstecken. Oft ist die Erleichterung groß, wenn die Schwellungen mit Eintritt ins Erwachsenenalter von selbst wieder zurückgehen.

Gynäkomastie - die häufigsten Auslöser

Allerdings wachsen auch bei 30 bis 40 Prozent der erwachsenen Männer die Brüste über ein normales Maß hinaus. In gut 50 Prozent der Fälle wird die Ursache nie ganz geklärt. Beim Rest ist eine aus der Bahn geratene Hormonbalance schuld am Brustwachstum.

Mangel an männlichen Hormonen

Manche Männer haben ein zusätzliches X-Chromosom (Klinefeltersyndrom), das zu einem Überschuss an weiblichen Hormonen führt. Bei anderen sind Hodenentzündungen, Verletzungen oder Operationen der Grund dafür, dass nicht mehr genügend Testosteron gebildet wird - das kann das Brustwachstum anregen.

Chronische Krankheiten

Manche Erkrankungen beeinflussen auch den Hormonhaushalt. Dazu gehören zum Beispiel die Leberzirrhose, Niereninsuffizienz, bestimmte Krebserkrankungen und Schilddrüsenfunktionsstörungen. Auch dauerhafter Alkoholmissbrauch kann zu größeren Brüsten führen, hier wird unter anderem die Produktion der Sexualhormone indirekt gestört.

Medikamente mit Nebenwirkungen

Arzneimittel, die weibliche Hormone oder Gegenspieler des Testosterons enthalten, können eine Gynäkomastie begünstigen. Solche Arzneien werden zum Beispiel bei der Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt. Bei anderen Medikamenten weiß man nicht genau, woher die Nebenwirkung rührt - sie tritt aber beispielsweise bei Herzmedikamenten, Magenschutzpräparaten oder einigen Psychopharmaka auf. Auch verschiedene Drogen wie Alkohol, Heroin oder Marihuana werden mit gesteigertem Brustwachstum beim Mann in Verbindung gebracht.

Brüste bei Adipositas

Anschwellendes Brustgewebe kann auch durch sehr hohes Körpergewicht verursacht werden. Viele Männer, die unter Fettsucht (Adipositas) leiden, haben auch Brüste. Das zusätzliche Bauchfett wandelt das "Männerhormon" Testosteron in Östrogen um - der Busen wächst. Zusätzlich können sich auch Fettpolster in der Brust einlagern - was dann als Pseudogynäkomastie bezeichnet wird.

Oder doch Brustkrebs?

Männer, bei denen die Brüste plötzlich anschwellen, sollten abklären lassen, dass nicht Brustkrebs dahinter steckt. Dies gilt vor allem bei einseitigem Brustwachstum. Ein zuverlässiger Hinweis ist dies allerdings nicht: Nur bei etwa 7 bis 20 Prozent der männlichen Brustkrebspatienten war die Brust auch vergrößert.

Gynäkomastie - was ist zu tun?

Kein Mann muss das vermehrte Brustwachstum einfach mit sich geschehen lassen. Je nach Ursache gibt es mehrere Therapieoptionen. Ärzte versuchen das hormonelle Gleichgewicht wieder herzustellen. Fruchten sie nicht, gibt es auch die Möglichkeit einer Brustoperation.

Stand: 02.05.2016
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Quellen:

  • Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Gynäkomastie (2006)
  • Krebsinformationsdienst: Brustkrebs beim Mann (www.krebsinformationsdienst.de; Abruf 30.07.2013)