Harnwegsinfekt bei Männern - selten, aber schmerzhaft

Auch Männer können sich einen Harnwegsinfekt oder eine Blasenentzündung einfangen. Sie leiden meist sogar deutlich mehr.

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Auch Männer können sich einen Harnwegsinfekt oder eine Blasenentzündung einfangen. Dies geschieht zwar seltener als bei Frauen, aber wenn es das starke Geschlecht trifft, dann verläuft die Erkrankung deutlich schwerer. Warum selbst Hausmittel bei einem Harnwegsinfekt nicht immer helfen und wie Sie sich stattdessen vor einem Harnwegsinfekt schützen, lesen Sie in unserer Klickstrecke.

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"Ein solcher Infekt ist bei Männern viel schlimmer", sagt Dr. Wolfang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen. "Bei ihnen entzündet sich nämlich schnell zusätzlich die Prostata." Bakterien, die über die Harnröhre in den Körper gelangen, breiten sich nicht nur auf die Blase, sondern auch auf die angrenzende Vorsteherdrüse aus.

Männliche Ursachenforschung

Es gibt mehrere Gründe, warum auch Männer eine Harnwegsinfektion treffen kann. Eine gestörte Blasenentleerung, vor allem bei älteren Männern, begünstigt Harnwegsinfekte. In der Blase verbleibt Restharn, der zu einer Infektion führen kann. Grund dafür ist häufig eine vergrößerte Prostata, die aber viele Männer ab einem bestimmten Alter haben. Auch eine geschwächte Immunabwehr, längeres Sitzen auf kühlem Untergrund und mangelnde Hygiene, beispielsweise nach dem Geschlechtsverkehr, können die Ursachen sein.

Stärkere Schmerzen

Männliche Betroffene leiden - im Gegensatz zu den Frauen - unter wesentlich heftigeren Schmerzen. "Eine Prostataentzündung beim Mann verursacht ein stärkeres Krankheitsgefühl als eine Blasenentzündung bei einer Frau", erklärt Bühmann. Neben starkem Brennen beim Wasserlassen kommt es bei Männern auch oft zu Fieber, Schmerzen im Unterbauch sowie Nieren- und Beckenschmerzen. Bei Frauen ist das in der Regel nicht so.

Kompliziert und lang

Bleibt eine Prostataentzündung längere Zeit unbehandelt, kann sich die Entzündung auf die Nieren und das Nierenbecken ausweiten. Bei schweren Verläufen kann es außerdem zu einer Blutvergiftung kommen. "Solche Infektionen sind bei Männern oft sehr kompliziert", weiß Bühmann. Das liege an einer heftigen körperlichen Reaktion, die mit Fieber und einem starken Unwohlsein einhergehe. Außerdem dauert eine Prostataentzündung bei Männern meist viel länger - sieben bis zehn Tage sind es im Schnitt. Bei Frauen hält eine Blasenentzündung ein bis fünf Tage an.

Wirkungslose Hausmittel

Pflanzliche Mittel seien im Kampf gegen die Prostataentzündung wenig hilfreich, sagt der Urologe. So ist die Prostata kein Hohlraum wie die Blase, bei der man mit viel Flüssigkeit und Hausmittelchen die Bakterien ausspülen kann. Bühmann rät: "Bei Frauen halte ich viel von der Einnahme pflanzlicher Mittel, bei Männer empfehle ich meist eine Antibiotika-Kur". Zum Glück suchten die meisten Männer  mit einer Prostataentzündung aber ohnehin schnell den Arzt auf. Grund: "Die Schmerzen sind einfach viel zu stark."

Schutz vor Bakterieninvasion

Damit sich Bakterien erst gar nicht über die Harnleiter auf die Blase und Prostata ausbreiten können, sollte Mann grundsätzlich viel trinken - empfohlen sind zwei Liter pro Tag. Wichtig es ist auch, den Unterleib warmzuhalten und kühle Bänke oder Stühle zu meiden.

Stand: 29.09.2016
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Quellen:

  • Hautmann R. et al.: Urologie. Springer Verlag. 3. Auflage 2006
  • Eichenauer R. et al.: Klinikleitfaden Urologie. Urban & Fischer Verlag. 3. Auflage 2003
  • Urologenportal (www.urologenportal.de; Abruf: 26.01.2016)
  • Leitlinie der Dt. Ges. f. Urologie e. V. (DGU) et al.: Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten, unkomplizierte bakterielle ambulant erworbene: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management (Stand: Juni 2010)
  • Wiesenauer M.: PhytoPraxis. Springer Verlag. 3. Auflage 2008