Penisbruch: Meist passiert es beim Sex

Ein Penisbruch sollte schnell behandelt werden, sonst leidet die Funktionstüchtigkeit dauerhaft.

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„Ich glaube, ich habe mir den Penis gebrochen“ – einen solchen Satz möchte kein Mann sagen müssen: Das Krankheitsbild ist extrem schmerzhaft und zudem häufig mit Schamgefühlen behaftet. Die sollten einen aber nicht abhalten, schleunigst den Arzt aufsuchen! Denn die Langzeitfolgen des verletzten Genitals können sonst die Performance im Bett dauerhaft beinträchtigen.

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Die Bezeichnungen Penisbruch oder Penisfraktur sind eigentlich irreführend.  Das männliche Genital kann nicht im eigentlichen Sinne brechen, schließlich besitzt der Mensch keinen Penisknochen (wie etwa der Gorilla oder Schimpanse). Mit dem umgangssprachlich „Penisbruch“ ist daher kein Bruch, sondern eine Ruptur, also ein Riss, gemeint. Das bedeutet, die Haut des Schwellkörpers oder der Schwellkörper selbst, der eine Erektion überhaupt möglich macht, reißt ein. Das Blut quillt dann aus dem Schwellkörper in das umliegende Gewebe, ein Bluterguss entsteht.

Vernehmliches Knacken

Der Name „Penisbruch“ könnte davon herrühren, dass viele der Betroffenen von einem Knacken berichten, die mit der Verletzung einhergeht. Die meisten spüren dabei auch einen stechenden Schmerz, gefolgt von einem rapiden Abschwellen des Geschlechtsorgans und gegebenenfalls einer Verkrümmung des Glieds. Betroffen ist meist eine Stelle nahe des Penisschaftes. Später treten manchmal lokalen Schwellungen auf oder in seltenen Fällen auch zu Blutungen aus der Harnröhre.

Ein solches Malheur geschieht, wenn der Penis im steifen Zustand über Gebühr abgeknickt wird. Der Schwellkörper, auf dem großer Druck lastet, zieht dann an dem umliegenden Gewebe, bis eines von beiden nachgibt. In etwa 60 Prozent der Fälle geschieht das beim Liebesspiel, aber auch bei Selbstbefriedigung kann es zur Ruptur kommen.

Gefährliche Reiterstellung

Besonders gefährlich, so das Ergebnis einer brasilianischen Studie, ist für Männer die Reiterstellung. Rund die Hälfte aller von ihnen untersuchten Fällen von Penisrupturen ließ sich auf diese bei Männern eigentlich sehr beliebte Sexstellung zurückführen. Denn hier „reitet“ die Frau den auf dem Rücken liegenden Mann. Damit ist die Partnerin der aktive Part und die Herren können mitunter nicht rechtzeitig bremsen, wenn der Sex zu heftig wird.

Bei einem Viertel der untersuchten Fälle wiederrum geschah der Unfall während der als „Doggy Style“ titulierten Stellung, bei der der Mann von hinten in die kniende Partnerin oder den knienden Partner eindringt. Generell birgt Sex unter stressigen Bedingungen, beispielsweise ein hastig ausgeführter Quickie in der Öffentlichkeit eine größere Gefahr für einen verletzten Penis.

Im mittleren Osten ist dagegen noch eine ganz andere Ursache für den „Penisbruch“ verbreitet – nämlich das gewaltsame Verstecken einer Erektion, beziehungsweise der Versuch, sie zu unterbinden. Dabei drücken die Männer ihr sich aufrichtendes Gemächt mit Kraft nach unten. Hierbei wird in manchen Fällen der Biegewinkel so unglücklich gewählt, dass das Gewebe nachgibt.

Drohende Erektile Dysfunktion

Ist der Penis verletzt, ist es ratsam als Erste-Hilfe-Maßnahme die betroffene Stelle zu kühlen. Das bewirkt, dass sich die Gefäße zusammenziehen und nicht so viel Blut durch die Ruptur entweichen kann. Auch ein beherzter Griff ums beste Stück kann helfen, den Blutfluss im Penis zu drosseln. Dann heißt es: Ab zum Arzt.

Zum einen kann der die Schmerzen mit Medikamenten lindern. Zum anderen verhindert man mit der Behandlung des „Penisbruches“ Langzeitfolgen wie etwa einen schiefen Penis oder auch Probleme mit der Erektionsfähigkeit, sowie eine dauerhafte Verengung der Harnröhre. Diese können entstehen, wenn der Riss von selbst wieder zuwächst, aber sich dabei Narben bilden. Deswegen sollten auch länger zurückliegende Frakturen nach Möglichkeit behandelt werden.

Eine Penisfraktur wird meist operiert und dabei das lädierte Gewebe chirurgisch wieder zusammengefügt, sodass der Schwellkörper wieder voll funktionsfähig ist. Um in der Heilungsphase die Schonung des Organes zu gewährleisten, bekommt der Patient Medikamente, die eine Erektion verhindern. Nach der Schonzeit heilt der Penis normalerweise gut ab und es bleiben keine Schäden zurück.

Stand: 07.11.2016
Autor:
  • Quellen:
  • Eke N. Fracture of the penis. Br J Surg. 2002 May;89(5):555-65.
  • Reis E. et al. Mechanisms Predisposing Penile Fracture and Long-Term Outcomes on Erectile and Voiding Functions; Advances in Urology, Volume 2014 (2014), Article ID 768158, 4 pages
  • Zargooshi J. Penile fracture in Kermanshah, Iran: report of 172 cases. J Urol. 2000 Aug;164(2):364-6.
  • Anheuser P. und Steffens J.: Risiken und Komplikationen in der Urologie,Thieme Verlag, 2012
  • Sawh SL. et al.: Review: Fractured penis: a review; International Journal of Impotence Research (2008) 20, 366-369