Potenzkiller – der Faktencheck

Potenzkiller lauern oft an unerwarteter Stelle.

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Wenn es um ihre Manneskraft geht, sind viele Herren der Schöpfung empfindlich. Mythen und Legenden ranken sich deswegen um die männliche Fruchtbarkeit – und warum sie schwächeln kann. Radfahren, Plastikflaschen oder Saunagänge - was beeinträchtigt die Potenz wirklich? Der Faktencheck. Außerdem in der Bildergalerie: Wie Sie eine Erektile Dysfunktion beheben können.

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Angstfrei Radeln

Beim Radfahren wird nicht unerheblich Druck auf die sensible Körperregion des Mannes ausgeübt. Sorgen um seine sexuelle Leistungsfähigkeit müssen sich Freizeitradler trotzdem nicht machen: Radeln schadet der Potenz nicht – zumindest, solange man nicht zum Profisportler avanciert. Eine britische Studie zeigte: Selbst bei fleißigen Fahrern, die mehr als 8,5 Stunden pro Woche auf dem Zweirad unterwegs waren, gab es keinen Zusammenhang zwischen Erektiler Dysfunktion oder Unfruchtbarkeit und dem Treten in die Pedale.

Plastik raubt Spermien die Kraft

„Du bist, was du isst“ – dieser alte Sinnspruch lässt bei Männern tatsächlich auch Aussagen über die Spermienqualität zu. Denn ihre Güte wird von verschiedenen Chemikalien negativ beeinflusst. Allen voran Weichmacher in Plastik, das gerne als Verpackungsmaterial für Lebensmittel und Getränke verwendet wird. Bisphenol A zum Beispiel ist für seine östrogenähnliche Wirkung auf den Körper bekannt. Die Substanz hat also Ähnlichkeit zu dem weiblichen Geschlechtshormon und wirkt ähnlich – das stört die Spermienproduktion in den Hoden. Das konnten amerikanische Wissenschaftler zumindest im Versuch mit Mäusen nachweisen.

Schädliche Pestizide

Aber nicht nur in Plastik, auch in Obst und Gemüse können sich Störenfriede für die männliche Fruchtbarkeit verbergen: und zwar in Form von Pestiziden. So zeigte eine Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston, dass Männer, die viel hochbelastetes Obst und Gemüse verzehrten, im Vergleich zu jenen, die wenig davon aßen, 49 Prozent weniger Spermien produzierten.

Das heißt aber nicht, dass Männer auf den gesunden Apfel am Tag verzichten sollten. Im Gegenteil: Die darin enthaltenen Sekundären Pflanzenstoffe können Männern helfen, das Stehvermögen im Bett zu bewahren – denn sie wirken sich günstig auf die Blutgefäße und damit auch die Erigierfähigkeit des besten Stückes aus. Die Pestizidmenge lässt sich aber zum Beispiel durch den Kauf von Bioprodukten minimieren.

Sonnencreme raubt Turbobooster

Eine weitere Stolperfalle für die Spermien: UV-Filter in Sonnencremes. Ein Wissenschaftler-Team aus Kopenhagen testete 29 gängige Substanzen, die die Haut vor der gefährlichen Sonnenstrahlung schützen. Das Ergebnis: Fast die Hälfte davon war schlecht für die männliche Potenz. Die chemischen Stoffe stören den Ionenhaushalt der Spermien und rauben den kleinen Schwimmern so den Turbobooster, den sie für die Befruchtung der Eizelle benötigen. Was das langfristig für Auswirkungen hat, ist noch Gegenstand der Forschung. Bis man Näheres weiß, können die Herren aber beispielsweise auf mineralischen Sonnenschutz zurückgreifen – dieser wirkt physikalisch und nicht chemisch.

Spermien mögen keine Wärme

Aber wie steht es denn nun mit engen Hosen oder Sauna, Sitzheizung und Co.? Schaden sie wirklich der Spermienqualität, wie immer behauptet wird? Wer diese Frage beantworten möchte, sollte einen genaueren Blick auf die Anatomie des Mannes werfen. Die Keimdrüsen befinden sich nicht im Inneren des Körpers – obwohl das ein geringeres Verletzungsrisiko bedeuten würde. Der Grund: Spermien mögen keine Wärme, darunter leidet ihre Qualität. Die Temperatur in den Hoden beträgt deswegen rund zwei Grad weniger als im Körperinneren.

Zu viel Wärme kann sich also tatsächlich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken. So bildeten Männer, die über ein Viertel Jahr zwei Mal pro Woche in der Sauna schwitzten, direkt danach weniger Spermien – allerdings nur vorübergehend. Denn Männer produzieren laufend neue Spermien, wer da eine Zeit lang auf Sauna, heiße Bäder und Co. verzichtet, bei dem erholt sich schnell auch wieder die Spermienzahl, und –qualität.

Stand: 20.04.2016
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Quellen:

  • Cassidy A. et al: Dietary flavonoid intake and incidence of erectile dysfunction, The American Journal of Clinical Nutrition, published online 13 January 2016.
  • Quelle: Pressemeldung der Endocrine Society, 01.04.2016: Some Sunscreen Ingredients May Disrupt Sperm Cell Function.
  • Y.H. Chiu et al.: Fruit and vegetable intake and their pesticide residues in relation to semen quality among men from a fertility clinic. Human Reproduction (2015). DOI: 10.1093/humrep/dev064
  • Hagai Levine & Shanna H. Swan. Is dietary pesticide exposure related to semen quality? Positive evidence from men attending a fertility clinic. Human Reproduction (2015) DOI: 10.1093/humrep/dev065
  • Lisa A. Vrooman, et al. Estrogenic Exposure Alters the Spermatogonial Stem Cells in the Developing Testis, Permanently Reducing Crossover Levels in the Adult. PLOS Genetics, 2015; 11 (1): e1004949 DOI: 10.1371/journal.pgen.1004949
  • Hamer Mark et al.: An Observational Study of Erectile Dysfunction, Infertility, and Prostate Cancer in Regular Cyclists: Cycling for Health UK Study Journal of Men's Health Online Ahead of Print: June 11, 2014; doi:10.1089/jomh.2014.0012.
  • Garolla A. et al.: Seminal and molecular evidence that sauna exposure affects human spermatogenesis, Oxford Journals, Volume 28, Issue 4, Pp. 877-885.