Prostatakrebs – das sollten Sie wissen

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern.

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Krebs an der Vorsteherdrüse – fast jeder zweite Mann muss damit rechnen, im Laufe seines Lebens daran zu erkranken. Aber warum entwickeln sich die Tumore? Welche Therapieoptionen gibt es? Und inwiefern beeinträchtigt die Behandlung das Leben der Betroffenen? Hier finden Sie die wichtigsten Antworten rund um das Thema Prostatakrebs.

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Wie häufig ist Prostatakrebs?

Prostatakrebs ist keine seltene Diagnose. Von 100 Männern entwickeln laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum 40 einen Tumor in der Vorsteherdrüse. Allerdings haben nur zehn von diesen auch wirklich Beschwerden. Die gute Nachricht ist, dass diese Krebsart meist gut behandelt werden kann. Das heißt in Zahlen, von den 40 Männern mit entsprechender Diagnose versterben nur drei auch daran. Insgesamt erkrankten in Deutschland 2010 etwa 65.000 Männer neu an Prostatakrebs, so das Robert Koch-Institut. Die Tendenz ist allerdings steigend, für 2014 liegt die Prognose bei 70.000.

Welche Beschwerden verursacht Prostatakrebs?

Tumore an der Prostata bereiten zunächst meist keine Beschwerden. Echte Symptome treten erst in späteren Erkrankungsstadien auf. Typisch sind zum Beispiel Probleme beim Wasserlassen. Manche haben dabei Schmerzen, oder aber der Harnstrahl ist sehr abgeschwächt und das Urinieren dauert sehr lange. Zusätzlich kann es noch zu Erektionsproblemen oder Schmerzen beim Samenerguss kommen. Einige Patienten haben Blut im Urin oder der Samenflüssigkeit. Auch Probleme beim Stuhlgang oder Rückenschmerzen können auftreten. Solche Symptome sollte man abklären lassen. In vielen Fällen steckt aber eine gutartige Prostatavergrößerung hinter den Beschwerden.     

Gibt es eine Früherkennung?

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm sieht im Moment vor, dass Männer ab 45 Jahren einmal jährlich ihre Prostata untersuchen lassen. Dabei werden die Prostata und die Lymphknoten vom Arzt abgetastet. Es gibt zwar noch die Möglichkeit den Wert des sogenannten Prostataspezifisches Antigens (PSA) im Blut messen zu lassen. Allerdings ist diese Form der Früherkennung nicht ganz unumstritten. Denn zum einen kann der PSA-Wert auch aus harmlosen Gründen erhöht sein, und die Männer stehen unnötige Ängste aus.  Eindeutig wird die Diagnose dann erst anhand einer Biopsie. Ebenfalls steigt mit häufigen PSA-Tests auch die Gefahr für Überdiagnosen. Dann wird beispielsweise unter Umständen bei jüngeren Männern ein Krebs radikal therapiert, der langsam wächst und nie Beschwerden verursacht hätte.  

Welche Formen von Prostatakrebs gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden die Experten drei verschiedene Stadien:

  • lokal auf die Prostata begrenzte Tumoren
  • über die Prostata hinaus wuchernde Geschwüre
  • zusätzlich zum Prostatatumor Absiedelungen in Lymphknoten oder andere Organe

Welche Risikofaktoren gibt es?

Die genauen Ursachen für Prostatakrebs sind nicht bekannt. Der größte Risikofaktor bei Krebs an der Vorsteherdrüse ist das Alter. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren. Vor dem 50ten Lebensjahr tritt Prostatakrebs nur sehr selten auf. Daneben gibt es auch eine familiäre Komponente. Erkranken Verwandte ersten Grades, ist auch die eigene Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs höher. Möglicherweise spielen auch die Ernährung und der Lebensstil eine Rolle. Ebenfalls bekannt ist, dass Testosteron das Wachstum der Zellen fördert – deswegen ist eine Therapieoption auch der Entzug des Hormons.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei der Therapie des Prostatakrebses kommt es stark darauf an, wie weit die Erkrankung schon fortgeschritten ist und wie schnell der Tumor wächst. Die Prostata kurzerhand zu entfernen ist inzwischen nur die letzte Option, denn in den letzten Jahren hat sich viel bei den Behandlungsmöglichkeiten getan. Sind nur abgegrenzte Teilbereiche der Prostata betroffen, reicht es zum Beispiel, auch nur diesen herauszuoperieren. Oder der Krebs wächst so langsam, dass es nicht unbedingt nötig ist, einzuschreiten – hier wird dann erst mal nur engmaschig kontrolliert. Weitere Optionen sind die Hormon-, Chemo-, Strahlen- oder die sogenannte Kältetherapie. Welche gewählt wird, hängt auch davon ab, auf wie hoch das Rückfallrisiko im individuelle Fall geschätzt wird. Hier hilft das ausführliche Gespräch mit dem behandelnden Arzt die individuelle Entscheidung für die richtige Therapie zu treffen.

Was sind die Nebenwirkungen einer Operation?

Auch bei den Operationstechniken hat sich inzwischen eine Menge getan. Die Operateure versuchen immer möglichst die Nervenbahnen, die an der Prostata verlaufen, zu schonen. Ob das gelingt, hängt allerdings auch von der Ausbreitung des Krebses ab. Dies lässt sich manchmal erst im Verlauf der OP feststellen. Etwa 70 Prozent der Patienten klagen nach dem Eingriff über beeinträchtigtes Erektionsvermögen, zeigte ein Krankenhausreport der Barmer GEK. Auch beim Stuhlgang kann es zu Beeinträchtigungen kommen.

Zusätzlich haben manche Patienten anschließend Probleme mit Harntröpfeln. Dies lässt sich durch Training der Schließmuskeln aber meist wieder beheben. Statistisch können etwa 95 Prozent der Operierten zwölf Monate nach dem Eingriff den Urin wieder ganz normal halten.

Wie hoch ist die Lebenserwartung mit Prostatakrebs?

Die Prostatakrebs-Prognose hängt vom Tumorstadium ab, ist aber in vielen Fällen günstig. Hat der Krebs allerdings schon auf andere Organe übergegriffen, sinkt die Lebenserwartung erheblich. Statistisch gesehen gilt: Fünf Jahre nach der Diagnose leben noch etwa 87 bis 92 Prozent der Patienten (Fünf-Jahres-Überlebensrate). Daher ist die Prognose im Vergleich zu anderen Krebsarten relativ gut.

Lässt sich Prostatakrebs vorbeugen?

Viel Getreide, Gemüse oder Sojaprodukte auf dem Speiseplan scheinen eine schützende Wirkung zu haben. Vegetarier erkranken zum Beispiel wesentlich seltener. Auch regelmäßige Bewegung kann offenbar das Risiko für eine Erkrankung verringern.

Stand: 25.10.2016
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Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.: S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms (Stand Okt 2014)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum: Örtlich begrenzter Prostatakrebs  - ein Ratgeber für Betroffene (2014)
  • Robert Koch-Institut; www.rki.de (Abruf 23.03.2015)