Rauchen geht unter die Gürtellinie

Rauchen geht unter die Gürtellinie

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Rauchen ist eine gefährliche Angewohnheit, die an der Gesundheit zehrt: Lungenkrebs, COPD oder Diabetes sind klassische Erkrankungen, die man damit verbindet. Was viele aber nicht wissen: Bei Männern kann sich das Qualmen auch unterhalb der Gürtellinie auswirken. Sechs urologische Gründe, warum Sie so schnell wie möglich den Zigaretten entsagen sollten!

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Wer gemütlich kleine Rauchkringel in die Luft pustet, hat nicht unbedingt im Kopf, dass es sich dabei um ein toxisches Gemisch handelt. Tausende Chemikalien gehen beim Rauchen in Luft auf, ein Teil davon landet in der Lunge und somit im Blutkreislauf. Keine gute Nachricht, wenn man bedenkt, dass über 90 Stoffe davon krebserregend sind. Das bedeutet, sie schädigen die DNA von Körperzellen und machen diese so anfälliger für Krebserkrankungen.

Das ist aber noch lange nicht alles: Die Bestandteile des Rauches schädigen auch ganz direkt die blutversorgenden Gefäße im Körper und die Nerven.

Raucher haben mehr Erektionsprobleme

Besonders unangenehm ist dies wenn es um einen Körperteil geht, der von einem besonders ausgefeilten System von feinen Blutgefäßen und Nerven abhängt – der Penis. Das Nikotin bewirkt auch hier eine Verengung der Gefäßwände. Wird das schwammartige Gewebe des Schwellkörpers im Penis aber nicht ausreichend mit Blut gefüllt, wird er nicht steif. Deswegen gilt Rauchen ganz konkret als einer der Hauptrisikofaktoren für Erektionsprobleme.

Je mehr gequarzt wird, desto schlechter wird das Standvermögen im Bett. Eine asiatische Studie hat hier folgende Werte ermittelt: Bei einer bis zehn Zigaretten pro Tag steigt das Risiko für eine Erektile Dysfunktion auf 27 Prozent, im Vergleich zu einem Nichtraucher. Bei elf bis zwanzig Zigaretten beträgt es 45 Prozent und bei 20 und mehr Glimmstängeln sind über 65 Prozent der Raucher betroffen.

Ein Rauchstopp kann helfen – muss er aber nicht unbedingt. Wie nachhaltig sich durch einen Verzicht auf die Zigaretten die Potenzprobleme beheben lassen, hängt unter anderem davon ab, wie lange und wie stark Mann vorher geraucht hat und wie alt er ist. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, sollte also lieber früher als später mit den Zigaretten brechen. Insbesondere bei Herren mit nur leichten bis moderaten Erektionsschwierigkeiten kann der Rauchstopp aber schon dafür sorgen, dass der Geschlechtsverkehr wieder als befriedigender empfunden wird – so das Ergebnis einer Untersuchung aus Teheran.

Raucher leiden häufiger unter Inkontinenz

Raucher belasten ihre Atemwege – und das kann sich indirekt auch auf die Blase auswirken. Der Zusammenhang erschließt sich einem nicht unbedingt auf den ersten Blick. Mit eine Rolle scheint dabei der Raucherhusten zu spielen, das erläutert die Gesundheitsberichtserstattung des Bundes. Beim Husten wird Druck auf die Beckenbodenmuskulatur ausgeübt, das kann auf Dauer dazu führen, dass die Blase schwächelt. Zumindest bei Frauen ist zudem nachgewiesen, dass auch das Rauchen direkt einen negativen Einfluss auf die Kontinenz haben kann. Rauchverzicht gilt als eine der Maßnahmen um einer bestehenden Blasenschwäche zu begegnen.

Raucher bekommen mehr Nierenkrebs, Blasenkrebs und Harnleiterkrebs

Viele krebserregende Stoffe, die der Körper aufnimmt, werden auch wieder ausgeschieden. Dabei nehmen sie den Weg über die Nieren, die Blase und den Harnleiter und sind dort besonders konzentriert. Dadurch hinterlassen die Kanzerogene auf ihrem Weg nach draußen Spuren auf den inneren Schleimhäuten. Bei rund 50 Prozent der jährlich circa 10.000 männlichen Blasenkrebs-Patienten wird Tabakkonsum für die bösartige Wucherung verantwortlich gemacht. Die gute Nachricht: Die Blasenkrebsfälle sind seit 1990 rückläufig. Experten führen das darauf zurück, dass Männer weniger rauchen.

Raucher haben öfter infizierte Harnwege

Rauchen beeinträchtigt das Immunsystem. Bestimmte Zellen der Immunabwehr schwächeln dann, zum Beispiel beim Kampf gegen bakterielle Eindringlinge. Auch die Produktion von Antikörpern und die Kommunikation zwischen den Immunzellen ist herabgesetzt. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich das sogenannte Immungedächtnis schlechter ausbildet, mit dessen Hilfe bei einer erneuten Infektion mit den gleichen Eindringlingen diese schneller in die Flucht geschlagen werden könnten. Das macht sich auch bei den Harnwegen bemerkbar – Raucher leiden deswegen öfter unter Infektionen von Harnleiter, Blase und Co. als Nichtraucher. Das ergab eine Untersuchung spanischer Forscher.

Raucher sind anfälliger für Tripper und Chlamydien

Nun gibt es auch verschiedene Erreger, die Geschlechtskrankheiten verursachen. Nachgewiesen ist ein Zusammenhang zum Beispiel für Chlamydien oder Gonorrhoe, besser bekannt als Tripper, und Rauchen. Auch hier verschlechtert der Tabakkonsum die Reaktion des Immunsystems und macht Raucher dementsprechend anfälliger für diese Erkrankungen im Genitalbereich. Übrigens ist sowohl bei Tripper als auch Chlamydien-Infektionen gemein, dass sie lange keine Beschwerden verursachen. Bei Männern merken insgesamt nur etwa die Hälfte etwas von ihrem bakteriellen Untermieter. Das kann tragisch sein, denn wenn die Chlamydien über die Harnröhre weiter aufsteigen und den Nebenhoden infizieren, kann das zur Unfruchtbarkeit führen.

Raucher leiden öfter unter Unfruchtbarkeit

Es muss aber gar nicht unbedingt der Umweg über Chlamydien genommen werden, damit Rauchen sich auf die Fruchtbarkeit auswirkt. Denn das Qualmen schädigt auch ganz direkt die Keimzellen. Die Konsequenz: Bei Rauchern leidet die Spermienqualität. Sie haben weniger Spermien als Nichtraucher und eine größere Menge defekter Samenzellen im Ejakulat.

Spätestens ab zehn Zigaretten am Tag ist das deutlich messbar. Allerdings ist der negative Effekt auch wieder rückgängig zu machen – mit einem Rauchstopp. Spätestens ein halbes Jahr bevor Mann das Projekt „Kinder kriegen“ startet, sollte deswegen den Kippen entsagt werden.

Stand: 21.07.2016
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Quellen:

  • Méndez-Rubio S. et al.: Urological disease and tobacco. A review for raising the awareness of urologists; Actas Urol Esp. 2016 Feb 23. pii: S0210-4806(16)00012-7. doi: 10.1016/j.acuro.2016.01.005.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg: Krebserzeugende Substanzen im Tabakrauch; Fakten zum Rauchen; www.dkfz.de (Abruf 12.07.2016)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg: Rauchen und bakterielle Infektionen Teil I, ; Fakten zum Rauchen; www.dkfz.de (Abruf 12.07.2016)
  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Harninkontinenz www.gbe-bund.de, (Abruf 12.07.2016) 
  • Porumand G. et al.: Do cigarette smokers with erectile dysfunction benefit from stopping? a prospective study. BJU Int. 2004 Dec;94(9):1310-3.