Jeder Fünfte hat Herpes genitalis

Jeder Fünfte hat Herpes genitalis

© Igor Mojzes-Fotolia

Lippenherpes kennt jeder. Die unschönen Pusteln an den Lippen sind meist nicht zu übersehen. Dagegen liegt der Wirkort von Herpes genitalis eher im Dunklen, entsprechend wenig ist den meisten über ihn bekannt. Was Sie über den unschönen Verwandten der Lippenpustel wissen sollten.

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Grundsätzlich unterscheidet die Medizin zwei Typen von Herpesviren. Herpes simplex Typ 1 lässt in den meisten Fällen die Bläschen an den Lippen, Nase oder den Augen entstehen. Herpes simplex Typ 2 treibt sein Unwesen eher im Genitalbereich – also der Scheide, dem Penis und auch dem Anus. Aber ganz so einfach ist die Trennung nicht, denn der „harmlose“ Typ 1 treibt sich laut dem Robert Koch-Institut immerhin in 20 bis 30 Prozent der Fälle auch im Intimbereich herum. Insbesondere bestimmte Sexpraktiken begünstigen eine Übertragung des Lippenherpes in die eigentlich weit entfernten Gefilde. Hat einer der Beteiligten also eine wehe Lippe, sollte dieser Körperteil beim Liebesspiel nicht zum Zuge kommen.

Infektionszeitpunkt

Ein großer Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2 ist auf jeden Fall der Zeitpunkt, ab dem man sich anstecken kann. Lippenherpes plagt oft schon Kinder. Schuld ist die leichte Übertragbarkeit durch Schmierinfektionen, zum Beispiel über die Mutter. Genitalherpes tritt dagegen meist deutlich später auf, wenn die ersten sexuellen Kontakte vonstattengegangen sind.

Dementsprechend unterscheidet sich auch die Häufigkeit: Während man bei 80 bis 90 Prozent der Erwachsenen Antikörper gegen Herpes simplex Typ 1 findet, haben nur 20 bis 30 Prozent eine Infektion mit Herpes simplex Typ 2. Wobei es wichtig ist zu wissen, dass nicht alle Virusträger irgendwann Anzeichen einer Erkrankung zeigen.

Es gibt noch einen weiteren Grund für die wesentlich niedrigeren Infektraten mit Herpes simplex Typ 2. Wer Lippenherpes hat, scheint oft gegen den Genitalherpes immun zu sein. Kreuzimmunität nennen Mediziner dieses Phänomen. Glück im Unglück also für Menschen mit Lippenherpes.

Das erste Mal ist am schlimmsten

Nicht nur weil der Zeitpunkt des ersten Ausbruchs oft in der Kindheit liegt, können sich viele Betroffene nicht mehr richtig an ihren ersten Lippenherpes erinnern. Zwar spannt und juckt die Haut, aber oft bildet sich nur ein mehr oder weniger kleines Bläschen an der Lippe. Die Schmerzen halten sich normalerweise in Grenzen.

Anders ist das beim Genitalherpes. Gerade wenn die Viren das erste Mal die Nervenbahnen im Intimbereich befallen und sich vermehren, tut das empfindlich weh, vor allem auch an den dort ansässigen Lymphknoten. Meist sind die Hautläsionen auch nicht nur punktuell an einer Stelle, sondern verteilen sich geschwürartig über ein weiteres Gebiet. Dazu können auch Fieber, Kopfschmerzen oder aber unangenehme Muskelschmerzen kommen. Der Spuk dauert beim ersten Mal bis zu drei Wochen.

Wer einmal Herpesviren in sich trägt, tut das ein Leben lang. Allerdings schlummern sie meist und brechen nur gelegentlich wieder aus. Geschieht das bei Herpes genitalis (bei immerhin 85 Prozent der Virenträger), ist der Verlauf in der Regel deutlich milder als beim ersten Aufflammen der Krankheit. Meist haben die Betroffenen vor allem Schmerzen im Intimbereich, oft werden die Beschwerden zum Beispiel mit einer Blasenentzündung oder einer Pilzinfektion verwechselt. Weitere Ausbrüche sind also deutlich weniger schlimm als die Initialinfektion, deswegen aber trotzdem lästig.

Kondom schützt nicht immer

Herpes genitalis gehört zu den Geschlechtskrankheiten – dementsprechend wird auch ein Kondom empfohlen, um die Übertragungswahrscheinlichkeit zu minimieren. Und das ist wichtig, sie mindert sie nur, einen hundertprozentigen Schutz können die Verhüterli nicht bieten. Das ist schon durch die relativ kleine Fläche bedingt, die beim Geschlechtsverkehr durch das Latex abgedeckt wird. Das Nötigste ist sicher geschützt – trotzdem sollte man auf Sex verzichten, wenn der Verdacht einer Infektion besteht. Und selbst dann kann man nicht völlig sicher sein, denn scheinbar stecken sich viel mit Genitalherpes an, ohne dass beim Partner sichtbare Zeichen einer Erkrankung erkennbar waren.

Als Virusträger hat man übrigens gleich zwei gute Gründe, ein Kondom ins Liebesspiel einzubringen. Zum einen verringert man natürlich die Gefahr andere anzustecken. Aber vor allem schützt man auch sich selbst – und zwar vor HIV. Eine Infektion mit dem AIDS auslösenden Virus geschieht bei Menschen mit Herpes genitalis deutlich leichter.

Stand: 03.11.2014
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Quellen:

  • Robert Koch-Institut: Herpes simplex Typ 1 und Typ 2; www.rki.de (Abruf: 09.10.2014)
  • Petzoldt D.: Der Herpes genitalis; Dtsch Arztebl 1999; 96(38): A-2358 / B-2010 / C-1891