Beckenbodentraining wirkt gegen Blasenschwäche

Inkontinenz ist sehr belastend

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Unkontrollierter Harnabgang – für Betroffene eine mehr als peinliche Angelegenheit. Doch diesem Problem ist man nicht hilflos ausgeliefert. Eine große Metastudie zeigt: Gerade für Frauen gibt es eine wirksame Therapie – und zwar ganz ohne Nebenwirkungen. Wie das gezielte Beckenbodentraining geht, erfahren Sie in der Bildergalerie.

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Bei einer Inkontinenz funktioniert das fein aufeinander abgestimmte System aus Blasenmuskel, Schließmuskel, Beckenbodenmuskulatur und den steuernden Nerven nicht mehr richtig. Um genau dieses System wieder besser zu justieren, wird häufig zu Beckenbodentraining geraten.

Zu Recht, wie jetzt Forscher von der University of Montreal zeigen konnten. Sie werteten 18 Studien mit insgesamt 1051 Frauen aus, die an verschiedenen Inkontinenzformen litten. 541 Frauen nahmen an einem Programm mit Beckenbodentraining unter Anleitung teil, 510 Frauen gehörten zur Kontrollgruppe, die entweder keine Therapie, Placebos oder eine Scheinbehandlung erhielt.

Belastungsinkontinenz verliert ihren Schrecken

Verbesserungen ließen sich vor allem bei der Belastungsinkontinenz erzielen. Bei dieser Form der Blasenschwäche tröpfelt es vor allem bei körperlichen Anstrengungen unkontrolliert, beispielsweise beim Husten oder schwere Lasten heben. Von den insgesamt 165 Frauen mit dieser Inkontinenzform hatten 82 gezielt den Beckenboden trainiert – davon waren immerhin 46 anschließend beschwerdefrei. In der Kontrollgruppe waren es nur fünf.

Wenn schon nicht geheilt, so empfanden doch viele Frauen Linderung durch die körperliche Bewegung – und zwar immerhin 17 Mal mehr als unter denjenigen, die nicht trainiert hatten. Bei anderen Inkontinenzformen, wie Drang- oder Mischinkontinenz waren es immer noch doppelt so viele, denen es nach dem Training besser ging.

Langzeitwirkung

Das Beckenbodentraining lässt sich nicht nur leicht in den Alltag integrieren, seine Wirkung scheint vor allem auch von Dauer zu sein. Zumindest deuten das zwei der eingeschlossenen Studien an. Demnach waren ein Jahr nach dem Work-out bei den Frauen immer noch positive Wirkungen der Behandlung nachweisbar.

Der große Vorteil des Beckenbodentrainings (vor allem im Vergleich zu Medikamenten): Es gibt kaum unerwünschte Nebenwirkungen. Lediglich vier der 541 trainierten Frauen berichteten von einem unangenehmen Gefühl während der Übungen. Auch Mediziner sind inzwischen vom Beckenbodentraining als wirksame Therapie überzeugt - es wurde in die offiziellen Behandlungsempfehlungen für Belastungsinkontinenz (S2 Leitlinien) mit dem höchsten Empfehlungsgrad aufgenommen.

Stand: 16.10.2014
Autor:

Quelle: Dumoulin C. et al.: Pelvic floor muscle training versus no treatment for urinary incontinence in women, Cochrane Database, 14. Mai 2014