Haarwuchsmittel: Angriff auf die Manneskraft

Haarwuchsmittel schaden der Potenz

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Keine Frage: Viele Männer sehen mit Glatze richtig gut aus. Anderen steht „oben ohne“ vielleicht weniger gut – oder es passt nicht zu ihrem Selbstbild. Dann scheinen Medikamente, die das Lichterwerden des Kopfschmucks stoppen können, eine attraktive Lösung. Doch die kann langfristig der Manneskraft schaden. Außerdem lesen Sie in der Bildergalerie, was die Potenz sonst noch bedrohen kann.

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„Wo der Geist wächst, müssen die Haare weichen“ – viele Männer nehmen ihren zunehmend schütterer werdenden Schopf mit Humor. Anderen macht der Schwund der Haarpracht aber zu schaffen. Seit einigen Jahren gibt es Abhilfe in Tablettenform: Der Wirkstoff Finasterid wurde ursprünglich zur Behandlung einer vergrößerten Prostata entwickelt. Er hilft aber auch bei erblich bedingtem Haarausfall.

Blockierter Haarausfall

Bei rund zwei Dritteln der Männer reagieren die Haarfollikel an Stirn und Scheitel empfindlich auf ein bestimmtes Androgen: Dihydrotestosteron. Es verkürzt den Lebenszyklus der Haare, sie fallen schneller aus irgendwann verkümmern die Haarwurzeln ganz. Dihydrotestosteron entsteht durch die Umwandlung von Testosteron mithilfe eines bestimmten Enzyms: 5-alpha-Reduktase. Und genau das blockiert der Wirkstoff Finasterid. Damit entsteht auch weniger DHT.

Gestörtes Liebesleben

Die Behandlung mit Finasterid hat aber auch ihre Schattenseiten – zum einen muss das Mittel dauerhaft eingenommen werden, sonst setzt der Haarausfall erneut ein. Vor allem aber kann es sich negativ auf das Liebesleben auswirken. Die Lust auf Sex nimmt bei manchen ab. Mehr noch:  Der  Wirkstoff kann offenbar eine anhaltende erektile Dysfunktion begünstigen. Noch Jahre nach dem Absetzen sind die Männer dann nicht mehr in der Lage, eine ausreichende Erektion für den Beischlaf aufzubauen. Bei vielen helfen dann nicht einmal mehr Potenzmittel.

Nebenwirkungen auf der Spur

Herausgefunden haben das Forscher um Steven Belknap von der Northwestern University Feinberg School of Medicine. Die Wissenschaftler hatten schon länger den Verdacht, dass die negativen Auswirkungen von 5-alpha-Reduktase-Hemmern nicht ausreichend untersucht worden sind. Sie werteten daraufhin die Daten von 12.000 Männern aus, die Finasterid oder Dutasterid eingenommen hatten. Auch Dutasterid ist ein 5-alpha-Reduktase-Hemmer, der aber ausschließlich zu Behandlung einer vergrößerten Prostata eingesetzt wird.

Risiko steigt mit Einnahmedauer

Rund 500 der Teilnehmer entwickelten unter der Einnahme der Wirkstoffe erstmals eine erektile Dysfunktion, bei 170 von ihnen waren sie sogar dauerhaft. In dem Fall erholte sich die Manneskraft im Schnitt erst fast vier Jahre nach dem Absetzen der Tabletten wieder.

Das Unvermögen im Bett traf auch jüngere Männer zwischen 16 und 42 Jahren. Für jene, die eines der Mittel länger als sieben Monate einnahmen, verfünffachte sich das Risiko einer dauerhaften erektilen Dysfunktion im Vergleich zu kürzeren Einnahmezeiten.  Ob ein voller Schopf dieses Risiko wert ist, sollten sich Männer also gründlich überlegen.

Was die Potenz schützt

Neben dem Verzicht auf die Haarwuchsmittel gibt es eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen, die Männer ergreifen können, um ihre Manneskraft möglichst Lange zu bewahren. Dazu gehört alles, was die Blutgefäße und Nervenzellen schützt. Sind sie im Bereich des Besten Stücks geschädigt, wird es schwierig, eine Erektion aufzubauen. Sie sollten daher

  • Auf das Rauchen verzichten
  • Übergewicht abbauen
  • Bluthochdruck kontrollieren
  • Blutzucker kontrollieren
  • Alkohol nur maßvoll trinken
Stand: 18.04.2017
Autor:
Quelle: Tina Kiguradze et al.: Persistent erectile dysfunction in men exposed to the 5a-reductase inhibitors, finasteride, or dutasteride, Peerj, 9. März 2017