Ambrosia – gefährlicher Einwanderer

Die Ambrosia breitet sich aus

© stadelpeter_Fotolia

Bisher findet man sie vor allem im süd- und ostdeutschen Raum – aber wo immer sie auftritt, versetzt sie Allergiker in Schrecken. Die einjährige Beifuß-Ambrosie blüht etwa ab Ende Juli. Ihren Pollen lösen heftige Heuschnupfen-Symptome aus und sind nicht nur für Allergiker gefährlich. In der Bildergalerie finden Sie die wichtigsten Fakten zur Ambrosia.

Mehr zum Thema

Eigentlich gibt es sie schon seit fast 150 Jahren in Osteuropa, eingeschleppt wurde sie damals wohl über verunreinigte Saatgutlieferungen aus Nordamerika. Von Osteuropa aus fand das beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) schließlich über verunreinigtes Vogelfutter den Weg nach Deutschland. „Aber erst die heißen langen Sommer in den Jahren 2003 und 2006 gaben der Ambrosia die Starthilfe, um sich auch bei uns flächendeckend auszubreiten“, erklärt der Meteorologe Thomas Dümmel von der Freien Universität Berlin.

Denn wenn das Kraut eines nicht leiden kann, dann ist es zu früher Bodenfrost. Der zerstört die Pflanze mit ihren sich bildenden Samen im Nu. In den beiden Jahrhundertsommern aber konnten reichlich Ambrosia ihren Lebenszyklus abschließen und ihre Samen ins Erdreich streuen. Dort sind die Kapseln kleine Zeitbomben, die bis zu 40 Jahre warten können, bis die Bedingungen zum Keimen günstig sind.

Masse statt Klasse

Gefürchtet ist die Ambrosia vor allem wegen ihrer Pollen. Denn die Pflanze hat das Prinzip „Masse statt Klasse“ zur Perfektion getrieben: Jede einzelne Pflanze kann pro Saison bis zu einer Milliarde Pollenkörner in den Wind schicken. Und die haben es in sich: Dreiviertel aller Pollenallergiker reagieren auf den Blütenstaub mit Heuschnupfen oder Asthma. „Schon fünf bis zehn Pollenkörner pro Kubikmeter Luft können dafür ausreichen“, so Dümmel. Damit gilt die unscheinbare Pflanze als einer der gefährlichsten natürlichen Allergieauslöser.

Aber nicht nur die Allergiepotenz der Pollen bereiten Experten Kopfzerbrechen. „Die Ambrosie blüht auch relativ spät im Jahr – von Juli bis Oktober“, weiß der Experte. Bisher war das ein Zeitraum, in dem viele Heuschnupfen-Geplagte schon wieder Ruhe hatten, vor allem, wenn sie gegen Frühblüher wie Hasel, Birke oder Erle allergisch sind. Das beifußblättrige Traubenkraut verlängert also die Saison für Schniefnasen und tränende Augen. In Gefahr sind allerdings nicht nur Menschen, die bereits Heuschnupfen haben. „Jeder kann allergisch werden, da muss nicht bereits eine Vorbelastung durch andere Pollen da sein“, so Dümmel. Ein Schreckenszenario: In Amerika ist die Ambrosia für einen Großteil der Allergien verantwortlich.

Ambrosia-Scouts auf der Pirsch

Die gute Nachricht: Das Übel lässt sich im wörtlichen Sinn an der Wurzel packen. Schon seit einigen Jahren schwärmen zum Beispiel „Ambrosia-Scouts“ unter der Anleitung von Fachleuten wie Thomas Dümmel in Berlin aus. Sie kartieren das Vorkommen der Pflanze und schaffen damit die Grundlage für ihre Beseitigung. Diese Maßnahmen haben zusammen mit der günstigen Witterung dafür gesorgt, dass in der deutschen Hauptstadt das Problem im Moment weitgehend in Schach gehalten wird. „Doch die Bundesländer gehen alle sehr unterschiedlich mit der Lage um“, sagt Dümmel.

Jeder kann mithelfen, so der Fachmann: „Ab Ende Mai lohnt es sich, nach den Pflanzen Ausschau werden“. Das Traubenkraut ist auf viel Licht angewiesen, deswegen findet es sich vor allem auf offenen Flächen mit starkem Sonnenlicht. Ist der Untergrund stark bewachsen, keimt die Ambrosia normalerweise nicht aus. Typische Habitate sind Baustellen, Äcker, Brachen, Weg- und Straßenränder. Die Suche lohnt oft auch an den Stellen, wo Vogelfutter ausgebracht wurde, also zum Beispiel an Baumscheiben oder unter Balkonen.

So erkennt man Ambrosia

Die Ambrosia ist eine eher unauffällige Pflanze, dementsprechend schwer fällt es dem Laien, das unerwünschte Grünzeug von anderen Pflanzen zu unterscheiden. Das stark verzweigte Gewächs kann seine Wuchshöhe zum Beispiel zwischen 15 und 180 Zentimetern variieren – das ist eine enorme Spanne. Es gibt allerdings einige Merkmale, anhand derer das geschulte Auge die Ambrosia identifizieren kann. So ist die Blattunterseite der fiederspaltigen Blätter wenig behaart und grün – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum gemeinen Beifuß, der lange nicht so allergen ist und silbrige Blattunterseiten hat. Im Zweifel gibt es botanische Literatur, die bei der Bestimmung helfen kann.

Plastiktüte drüber und raus

Und wenn man eine Ambrosia im eigenen Garten findet? „Falls die Pflanze noch nicht blüht, kann man sie einfach ausreißen“, so Dümmel. Ist man sich aber nicht sicher, in welcher Phase sich die Pflanze befindet, solle man einfach eine Plastiktüte drüberstülpen und sie ausrupfen. So verhindere man zum einen den Hautkontakt und verbreite nicht unfreiwillig die Pollen oder Samen, rät der Experte. Anschließend den Sack einfach in den Hausmüll geben. Und: Man sollte das Vorkommen an die Behörden oder an die Website „Ambrosia-Atlas“ melden, das ist auch per App möglich.

Gezielte Such- und Tilgungsaktionen können also helfen, der Ambrosia in Deutschland das Leben schwer zu machen. Aber kann damit auch ihre weitere Verbreitung verhindert werden? „Im Prinzip schon“, meint der Meteorologe: „Der Kampf ist noch nicht gewonnen, aber zumindest wissen wir, wie wir ihn führen müssen.“ Dafür sei es elementar wichtig, ein breites Bewusstsein für die Gefahr zu schaffen und gebündelt mit entsprechenden Mitteln dagegen vorzugehen. So ließen sich Szenarien wie in Amerika verhindern. „Leuchtendes Vorbild ist die Schweiz“, erzählt der Experte, „die haben die Ambrosia mittlerweile im Griff.“

Stand: 27.07.2016
Autor:

Quellen:

  • Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
  • www.ambrosiainfo.de
  • Berliner Aktionsprogramm gegen Ambrosia; http://ambrosia.met.fu-berlin.de/ambrosia/index.php