Die Vorlieben von Mücken

Mücken fliegen nicht auf jeden

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Kennen Sie das? Sie werden heftig von Mücken umschwärmt, während andere völlig unbehelligt bleiben. "Du hast halt süßes Blut", lautet die landläufige, aber falsche Meinung. Worauf die Mücken wirklich fliegen und wer besonders gefährdet ist, haben wir für Sie herausgefunden. Erfahren Sie außerdem in der Klickstrecke, wie Sie sich am besten vor Mückenstichen schützen.

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Mücken auf Spurensuche

Mücken wollen Blut. Die weiblichen Insekten brauchen es, um ihre Eier mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen. Um einen möglichen Wirt zu finden, folgen die Mücken einer Spur von Hinweisen, die sie zu ihren Opfern führen. "Gerade die nachtaktiven Mücken orientieren sich durchaus anhand des Lichtes in Richtung Behausung", sagt die Mückenforscherin Ulla Obermayr. Wesentlich stärker locke aber der Kohlenstoffdioxidgehalt der Luft die Blutsauger an. Denn das Gas wird von Säugetieren vermehrt bei der Atmung ausgestoßen - bietet also einen guten Hinweis darauf, ob es eine Blutmahlzeit zu holen gibt. Auch Körperwärme und Feuchtigkeit entdecken die sensiblen Spürnasen der Mücken. Nicht zuletzt spielt aber auch der individuelle Geruch eines Menschen eine große Rolle.

Mücken stehen auf Käsefüße

Der aber wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Dabei ist die richtige "Mischung" des Geruches wichtig - der sich potenziell aus 300 Komponenten zusammensetzen kann. Am attraktivsten ist scheinbar eine "käseartige" Duftnote. "Milchsäure ist besonders wichtig, wenn es um die Anziehungskraft für Mücken geht . Wer davon viel produziert, auf den fliegen die Insekten", so Obermayr. Produziert wird die Milchsäure von Bakterien auf der Haut. Dabei finden die Mücken es lecker, wenn die Haut von möglichst vielen gleichartigen Bakterien bevölkert wird, hat eine niederländische Studie gezeigt. Besonders ein Keim namens Staphylococcus epidermidis rege den Appetit der Blutsauger an. Abschreckend wirkt dagegen eine Besiedlung mit Pseudomonas aeruginosa.

Sollte also jemand, der ein Mückenmagnet ist, sich ganz oft waschen? "Nein, so einfach ist das nicht. Man ist vielleicht fünf Minuten nach dem Duschen weniger attraktiv, aber dann schnell wieder", so die Mückenexpertin.

"Süßes" Blut ist ein Mythos

Ob süß oder nicht - der Blutzuckergehalt ist den Mücken egal. Genauso wie die Blutgruppe oder der Fettgehalt des Blutes. Zumindest haben Studien hierfür keine Beweise erbracht. Stattdessen lässt sich über einen ganz anderen Stoff sehr wohl die individuelle Attraktivität erhöhen: durch Alkohol. "Wer ein bis drei Biere am Abend trinkt, wird attraktiver für Mücken", erklärt die Entomologin. Das konnte sie in einer Studie zumindest bei Gelbfiebermücken zeigen. Es gelte aber sicher auch für einheimische Arten. Vielleicht verändert der Alkoholabbau die Duftzusammensetzung der Haut. Dies müssen die Wissenschaftler aber noch klären.

Mann oder Frau - der Mücke ist's egal

Auch wenn es so mancher Frau anders erscheinen mag - Mücken kennen keine Geschlechtspräferenzen. Sie lassen sich auch nicht von besonders haariger Haut abschrecken oder von glatter Haut anziehen. Wie attraktiv eine Person ist, bestimmt vornehmlich der Geruch. Auch das Alter scheint eine Rolle zu spielen:  Malariamücken beispielsweise ziehen Erwachsene gegenüber Kleinkindern offenbar klar vor.

Kranke Mücken fliegen noch mehr auf Körpergeruch

In Deutschland ist Malaria im Moment noch kein Thema - aber auch der Erreger der Krankheit beeinflusst, worauf die Mücken fliegen. Sind die hungrigen Flieger von ihm befallen, manipuliert er den Geruchssinn der Insekten und bewirkt so, dass sie noch stärker vom menschlichen Duft angezogen werden. Getestet haben das Forscher aus England und den Niederlanden mithilfe getragener Socken, die ein schönes Milchsäurearoma verströmten. Befallene Mücken ließen sich öfter auf ihnen nieder. Das ist besonders perfide, da der manipulierte Geruchssinn so die Infektionsquoten beim Menschen erhöht.

Stand: 27.06.2016
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Quellen:

  • Niels O. Verhulst : Composition of Human Skin Microbiota Affects Attractiveness to Malaria Mosquitoes, PLoS ONE 6(12): e28991. doi:10.1371/journal.pone.0028991
  • Pharmazeutische Zeitung online: Blut für den Nachwuchs (Abruf 03.06.2016)