Schlafwandeln: Ruhelose Träumer

Wer nachts schlafend auf Wanderschaft geht, leidet unter Schlafwandeln

© JordanSimeonov/iStock

Manche Menschen gehen nachts auf Wanderschaft: Sie tappen durch die dunkle Wohnung, essen den Kühlschrank leer oder sitzen im Bett und unterhalten sich angeregt - mit sich selbst. Schlafwandeln (Somnambulismus von lateinisch somnus = Schlaf, ambulare = wandern) ist eine Krankheit, die zu den Schlafstörungen zählt.

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 Meist finden die Streifzüge während der ersten Tiefschlafphase statt, ein Teil der Muskulatur oder des Gehirns sind wach, während der Rest weiterschläft. Etwa vier Prozent der Erwachsenen und 17 Prozent der Kinder bis zum Pubertätsalter sind betroffen. Schlafwandeln ist nicht ungefährlich, es kann zu Verletzungen kommen, während der Patient umher läuft.

Wodurch wird Schlafwandeln ausgelöst?

Der Reifezustand des zentralen Nervensystems spielt offenbar eine Rolle bei dem Auftreten von Somnambulismus. Deshalb sind ungefähr 60 Prozent der Schlafwandler Kinder und Jugendliche. Vermutlich liegt die Veranlagung dazu in der Familie. Sind "Mondsüchtige" unter den Verwandten, steigt die Wahrscheinlichkeit für Schlafwandeln um das Zehnfache. Ein um 60 Prozent erhöhtes Risiko hat man, wenn beide Eltern betroffen waren. Wenn Erwachsene auf einmal im Schlaf wandeln, sollte ärztliche Hilfe aufgesucht werden. Denn es könnt eine Störung des Nervensystems dafür verantwortlich sein. Ursache sind dann zum Beispiel Epilepsie oder das Restless Leg Syndrom

Was kann ich gegen das Schlafwandeln tun?

Eine richtige Therapie gegen das Schlafwandeln gibt es nicht. Oft hilft es allerdings, Stress zu reduzieren. Hier helfen zum Beispiel Stressbewältigungstraining wie Selbsthypnose, Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training. Bewährt haben sich auch eine professionelle Hypnose oder die sogenannte "Vorsatzbildung". Dabei lernt der Betroffen, auf einen Reiz zu reagieren, der ihm sagt: zurück ins Bett. Das kann zum Beispiel der Fußkontakt mit einer bestimmten Oberfläche sein, die dann auf den Boden gelegt werden kann. Auch eine medikamentöse Behandlung ist möglich. Antidepressiva können allerdings auch genau den gegenteiligen Effekt haben und Menschen nachts auf Wanderschaft schicken.

Wichtig ist es, seine Umgebung entsprechend zu sichern - denn bis zu 20 Prozent der Wanderer verletzen sich, zum Beispiel weil sie eine verminderte Reaktionsfähigkeit haben. Fenster und Türen sollen abschließbar sein, mögliche Stolperfallen aus dem Weg geräumt werden. Meist lässt das Schlafwandeln nach, wenn der Patient älter wird und klingt schließlich ganz ab

Stand: 21.02.2013

Vorlage: Ingrid Müller
Redaktion:
Quellen:

  • S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen, Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM, 2009;
  • Ambulantes Schlafzentrum Osnabrück, www.schlafmedizin.de (Abruf: 24.11.2010)
  • Zulley J.: So schlafen Sie gut!, Verlag Zabert Sandmann, München, 2008;
  • IPVT - Institut für Psychosomatik und Verhaltenstherapie, Internet: http://www.psychosomatik.at/uploads/lexikon_pdf/schlafwandeln.pdf