Traum, Albtraum und Nachtmahr

Wilde Verfolgungsjagden gehören zu den klassischen Albträumen

© Arman Zhenikeyev/Fotolia.com

Der Körper wälzt sich hin und her, die Muskeln zucken, es wird geschmatzt, geschnarcht und geseufzt. Schlafen bedeutet nicht ruhen - das weiß jeder, der mal einen Schlafenden beobachtet hat. Doch was passiert eigentlich, wenn wir schlafen, wenn wir träumen? Der Geist ist auf jeden Fall alles andere als im Standby-Modus - er lässt uns bizarre, manchmal wunderbare, manchmal fürchterliche Dinge träumen.

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Das wirkt sich auch auf den Körper aus. Die Atmung ist nicht gleichmäßig, das Herz schlägt unterschiedlich schnell und auch der Blutdruck schwankt. Das Gehirn und auch die Sexualorgane sind besonders durchblutet und das Stresshormon Cortisol steigt im Körper an. Namensgebend für die Traumphase des Schlafes sind aber die Augen. Diese bewegen sich schnell seitlich hin und her. Auf Englisch heißt das "rapid eye movement", entsprechend spricht man vom REM-Schlaf.

Da war doch was …

Die Augen bewegen sich in der REM-Phase als würden sie etwas sehen. Und das ist auch so. Viele Menschen glauben, sie träumen nicht. Der Eindruck entsteht, weil viele im Moment des Erwachens die ganzen schwindelerregenden Abenteuer schon wieder vergessen haben. Aber jeder von uns verbringt ungefähr ein Viertel der Nacht in seiner Phantasiewelt. Jede Tiefschlafphase wird durch vier bis fünf Traumphasen durchbrochen. Dieser Zyklus wiederholt sich ungefähr alle 90 Minuten und wird im Verlauf der Nacht immer länger. Besonders lange sind die Traumphasen morgens, deswegen können wir uns da am ehesten dran erinnern.

Traummaschine Gehirn

Warum träumen wir? Auf diese spannende Frage geben Schlafforscher sehr unterschiedliche Antworten. Einige vermuten das Gehirn würde seinen Speicherplatz neu organisieren, andere sind der Meinung, dass wir versuchen, im Schlaf Lösungen für unsere täglichen Probleme zu finden. Auch wenn die Lösungen oft zu bizarr sind, um wirklich ausgeführt zu werden. Fest steht immerhin der Entstehungsort unser Traumwelt: der sogenannte sekundäre visuelle Kortex des Gehirns. Sind wir wach, hilft er uns gesammelte Eindrücke zu verwerten. Wenn wir schlafen, lässt er die Information noch mal Revue passieren. Während die Augen geschlossen sind, setzt sich vor unserem "inneren" Auge ein neues Bild zusammen - ein Traumfilm läuft ab.

Aufwachen, ein Albtraum!

Das muss nicht immer ein schöner sein - fast die Hälfte aller Menschen haben klassische Albträume. Dazu gehört der Fall ins bodenlose, wilde Verfolgungsjagden oder schier unüberwindbare Probleme. Nicht selten wacht der Geplagte schweißüberströmt und mit klopfendem Herzen auf. So unangenehm ein schlechter Traum ist - er ist völlig normal. Zumindest wenn sie nicht zu oft auftreten oder den Träumer zu stark seelisch anhaltend belasten.

Oft ist ein Albtraum Ausdruck einer seelischen Belastung, etwa von einem traumatischen Erlebnis, das einen nicht mehr loslässt. Ein Unfall oder der Tod eines geliebten Menschen kann so ein Auslöser sein. Auch eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung kann Ursache sein - hier sollte psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden. Es gibt auch Medikamente, zum Beispiel Mittel gegen Bluthochdruck und Parkinson, die Albträume befördern. Bei Kindern mit nächtlichen Horrorträumen kann es oft schon helfen, auf Fernsehen zu verzichten.

Nachtmahr: Nächtliche Panikattacken

Nicht immer muss allerdings ein Albtraum schuld sein, wenn Schläfer schreiend vom Bett hochschrecken. Es gibt auch den sogenannten Nachtmahr oder "Pavor nocturnus". Der Betroffene befindet sich eigentlich gar nicht in einer Traumphase, trotzdem findet eine körperliche Aktivphase statt: Das Herz schlägt schneller, der Schlafende wird unruhig und hat das Gefühl nicht mehr richtig Luft zu bekommen. Oft tritt das in der ersten Nachthälfte auf. Die eigentliche Ursache hierfür ist unbekannt. Allerdings sind vor allem Kinder im Alter bis 15 Jahre betroffen, deswegen vermuten Forscher, dass möglicherweise die körperliche Reifung eine Rolle spielt. Ebenfalls diskutiert werden genetische Auslöser oder ungelöste Probleme.

Erwachsene, die unter Nachtmahren leiden, haben möglicherweise viel Stress. Möglicherweise steckt allerdings auch eine Krankheit dahinter - ein Besuch im Schlaflabor bringt hier Klarheit.

Vorlage: Kathrin Rothfischer
Redaktion:

Stand: 21.02.2013

Quellen:

  • Zulley J.: So schlafen Sie gut. Verlag Zabert Sandmann, 2008